Immer mehr Restaurants in Baku fügen den Rechnungen automatisch eine 10%ige Servicegebühr hinzu – eine Praxis, die die Gäste spaltet und eine öffentliche Debatte ausgelöst hat.
Für manche ist der Aufschlag eine faire Möglichkeit, die Arbeit des Servicepersonals anzuerkennen. „Wir sind einverstanden, weil wir wissen, dass die Gehälter niedrig sind. Wenn der Kellner aufmerksam und kommunikativ ist, ist dies eine Art, Respekt zu zeigen,“ sagte ein Gast zu Reportern.
Andere sehen es als ungerechte Zusatzkosten.
„Die Preise sind bereits hoch. Der Service ist Teil dessen, was wir beim Essen bezahlen. Warum sollte es obligatorisch sein?“ fragte ein anderer Gast.
Verteidigung der Restaurants
Laut Elman Humbatov, Mitarbeiter eines Restaurants in Baku, erklärte gegenüber KhazarTV, dass die Gebühr in internen Regeln verankert sei. Rund 10 % decken zerbrochenes Geschirr und Besteck ab, der Rest wird unter Kellnern und Mitarbeitern verteilt.
„Fast jeder zahlt jetzt mit Karte, was bedeutet, dass Bargeldtrinkgelder fast verschwunden sind. Wir können sie nicht verlangen, also sorgt die Servicegebühr dafür, dass das Personal zusätzliches Einkommen erhält,“ erklärte er.
Nicht dasselbe wie Trinkgeld
Samir Dyubendi, Leiter des Hotel- und Restaurantverbandes, betonte, dass Servicegebühren nicht mit Trinkgeld verwechselt werden sollten.
„Servicegebühren werden freiwillig von Restaurants eingeführt und sind am häufigsten in gehobenen Lokalen. In Fast-Food- oder einfachen Restaurants werden sie normalerweise nicht erhoben,“ bemerkte er.
Rechtliche Grundlage
Rechtsanwalt Samir Gasimov unterstrich, dass Servicegebühren nur dann legal sind, wenn die Kunden im Voraus informiert werden.
„Wenn die Gebühr in der Speisekarte aufgeführt ist, gibt es kein Problem. Wenn Gäste jedoch erst bei der Rechnung davon erfahren, haben sie jedes Recht, die Zahlung zu verweigern,“ sagte er.
Eine breitere Debatte
Für Restaurants ist die Gebühr zu einem Mittel geworden, die Motivation des Personals im bargeldlosen Zeitalter aufrechtzuerhalten. Für die Gäste wirft sie breitere Fragen zur Transparenz auf: Geht es um die Gebühr selbst oder um die fehlende Klarheit bei ihrer Anwendung?
