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Aserbaidschan boykottiert das Treffen der Innenminister der GUS – Beziehungen zu Moskau verschlechtern sich

Aserbaidschans Fernbleiben beim jüngsten Gipfeltreffen des Rats der GUS-Innenminister in St. Petersburg ist ein weiteres deutliches Zeichen für die abkühlenden Beziehungen zu Russland. Vorausgegangen waren diplomatische Spannungen, Massenverhaftungen aserbaidschanischer Staatsbürger in Russland und sogar ein tödlicher Vorfall mit der Landesfluggesellschaft.

Laut dem GUS-Exekutivkomitee waren Delegationen aus Armenien, Belarus, Kasachstan, Kirgisistan, Russland, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan anwesend. Die aserbaidschanische Delegation unter Leitung von Innenminister Vilayat Eyvazov fehlte allerdings. Baku hat dafür keine offizielle Erklärung abgegeben; lokale Medien vermerkten nur das Fehlen.

Eigentlich galt die Tagesordnung dem Kampf gegen organisiertes Verbrechen, illegale Migration und der Stärkung der Zusammenarbeit der Polizei. Doch die politischen Spannungen überwogen – und die leere aserbaidschanische Sitzreihe wurde als gezieltes Signal an Moskau gewertet.

Von Festnahmen zur Tragödie in der Luft

Die Belastung der Beziehungen begann am 27. Juni, als die russischen Behörden in Jekaterinburg rund 50 Aserbaidschaner unter verschiedenen Tatvorwürfen festnahmen. Baku protestierte und warnte vor ethnisch motivierten Massenverhaftungen. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow gab später zu, dass die Beziehungen „kompliziert“ geworden seien, äußerte aber Hoffnung.

Anfang Juli wurde ein Passagierflugzeug von Azerbaijan Airlines (AZAL) im Grenzbereich von russischen Streitkräften abgeschossen, alle an Bord starben. Moskau sprach von einem „tragischen Irrtum“ und begründete dies mit einer angeblichen Verwechslung im Alarmzustand des Militärs. In Baku sorgte das für Empörung – man fordert eine transparente Untersuchung, die bislang aussteht.

Das Ereignis schockierte nicht nur die Öffentlichkeit, sondern traf auch die politische Führung schwer; für ein Land, das Wert auf Souveränität und Sicherheit legt, gilt der Abschuss als Bruch des Vertrauens.

Strategischer Kurswechsel

Diese Ereignisse fallen in eine Phase, in der Aserbaidschan seine Beziehungen zu den USA und zur EU intensiviert und seine Rolle als verlässlicher Energielieferant für Europa ausbaut. Das Washingtoner Friedensgipfel mit Präsident Ilham Aliyev, Premierminister Nikol Paschinjan und US-Präsident Donald Trump sorgte sowohl für Fortschritte beim Friedensvertrag als auch für ein gestiegenes US-Engagement auf Kosten Moskaus.

Russland, das an die Kontrolle im postsowjetischen Raum gewohnt ist, sieht Aserbaidschans Annäherung an den Westen skeptisch. Doch auch eigene Eskalationen haben die Gräben vertieft.

Klare diplomatische Signale

Das Auslassen des GUS-Treffens mag formal erscheinen, doch im diplomatischen Kontext ist es ein unüberhörbares Zeichen: Baku zeigt klar, dass bei offenen Konflikten keine Zusammenarbeit im gewohnten Stil stattfindet.

Ob daraus eine dauerhafte Distanz entsteht, hängt davon ab, wie Russland insbesondere mit dem AZAL-Vorfall umgeht. Vorerst herrscht zwischen beiden Ländern vorsichtige Zurückhaltung.

Wichtige Zwischenfälle 2024–2025: Russland–Aserbaidschan

Dezember 2024: AZAL-Flugzeug abgeschossen (nahe Grosny; 38 Tote; Untersuchung gefordert)

Juni 2025: Massenhafte Festnahmen Aserbaidschaner in Russland (zwei Todesfälle in Haft)
7.–8. August 2025: Russischer Drohnenangriff auf SOCAR-Anlage in Odessa

August 2025: Aserbaidschan bleibt GUS-Innenministergipfel fern

Diplomatische Reaktionen

Juli 2025: Putin nennt Beziehungen „kompliziert“
8. August 2025: Friedensgipfel in Washington
Juli 2025: Baku stärkt Energiepartnerschaften mit Ukraine und EU
12. August 2025: Strategisches Fernbleiben der GUS-Sitzung als Zeichen des Vertrauensverlusts

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