Hauskatzen können eine unerwartete und äußerst hinterhältige Gefahr darstellen. Ein internationales Forscherteam hat herausgefunden, dass der Parasit Toxoplasma gondii, der leicht über den Kontakt mit Katzenkot übertragen wird, unbemerkt ins Gehirn eindringen und dessen Funktion verändern kann. Die Studie wurde im Fachjournal PLOS Pathogens veröffentlicht.
Schätzungen zufolge sind bis zu einem Drittel der Weltbevölkerung mit Toxoplasmose infiziert. Bei den meisten Betroffenen verläuft die Infektion ohne Symptome, das heißt aber nicht, dass sie harmlos ist. Die Forscher fanden heraus, dass der Parasit die Signalübertragung zwischen Gehirnzellen stört. Infizierte Neuronen geben weniger extrazelluläre Vesikel — winzige “Päckchen” mit molekularen Anweisungen — ab und senden verzerrte Signale, die Entzündungen auslösen und das Verhalten benachbarter Zellen, insbesondere Astrozyten, verändern können.
„Selbst wenn nur wenige Neuronen infiziert sind, können sie das gesamte umliegende Gewebe ‚verwirren‘“, erklärt Professorin Emma Wilson, die Hauptautorin der Studie.
Besonders problematisch ist der Einfluss auf das Protein GLT-1, das für den Abbau von überschüssigem Glutamat im Gehirn — dem wichtigsten erregenden Neurotransmitter — verantwortlich ist. Ein Rückgang dieses Proteins kann zu einer Überlastung der neuronalen Netzwerke und chronischen Störungen der Hirnchemie führen.
Vielleicht am überraschendsten: Die von infizierten Zellen ausgeschütteten Vesikel enthalten nicht nur menschliche, sondern auch parasitäre Proteine und können in die Zellkerne anderer Gehirnzellen eindringen und deren Verhalten verändern. Das bedeutet, Toxoplasma „programmiert“ das Gehirn regelrecht um, ohne sich direkt weiterzuverbreiten.
Obwohl die meisten Infizierten keine offensichtlichen Symptome zeigen, gehen die Autoren davon aus, dass der Parasit unbemerkt Verhalten, Ängstlichkeit und das Risiko neurologischer Störungen beeinflussen kann. Wissenschaftler diskutieren bereits, den Inhalt dieser Vesikel als Biomarker für Toxoplasma-Aktivität im Gehirn und als Grundlage für die Diagnostik zu nutzen.
