Eine der Hauptursachen für das Zerbrechen von Familien und häusliche Konflikte – bis hin zu Straftaten – ist eheliche Untreue. Doch in der Gesellschaft wird dies unterschiedlich bewertet: Männliche Untreue gilt oft als etwas Alltägliches, während weibliche Untreue scharf verurteilt und als Tragödie gesehen wird. Manche Geistliche behaupten sogar, dass männliche Untreue aus religiöser Sicht gerechtfertigt sein könne – im Gegensatz zur weiblichen. Diese Haltung löst heftige Debatten über Gleichheit, Gerechtigkeit und Moral aus.
Religiöse Perspektive
Der Theologe Tural Irfan weist die Ansicht, männliche Untreue sei im Islam erlaubt, entschieden zurück:
„In der Ehe ist Treue für beide Partner verpflichtend. Im Islam gilt Untreue – ob von Mann oder Frau – als Ehebruch und wird gemäß dem Koran bestraft. Nirgends steht, dass der Mann frei handeln darf, während die Frau strenge Einschränkungen befolgen muss. Die Rechte sind gleich, wenn auch der Mann in manchen Bereichen aufgrund der höheren Verletzlichkeit der Frau mehr Verantwortung trägt.“
Zur Polygamie erklärt er, dass sie im Islam historische Gründe hatte, etwa den Schutz von Witwen und Waisen. Später wurde die Zahl der Ehefrauen auf vier begrenzt, wobei eine einzige empfohlen wird. In der heutigen aserbaidschanischen Gesellschaft wird Polygamie weder religiös noch rechtlich akzeptiert.
Psychologische Perspektive
Die Psychologin Samira Baghirova bezeichnet Untreue als zerstörerisches Phänomen:
„Bei meinen Studien zu verschiedenen Religionen stellte ich fest, dass außer dem Islam keine Polygamie oder temporäre Ehen zulässt. Im Buddhismus und Hinduismus sind solche Praktiken streng verboten. Aus esoterischer Sicht zerstört Untreue das energetische Gleichgewicht zwischen Ehepartnern: kurzfristige Erfolge mögen möglich sein, doch am Ende führt es zum Scheitern. Psychologisch ist Untreue für Männer und Frauen gleichermaßen zerstörerisch.“
Sie betont, dass Liebe ein erhabenes Gefühl sei, das mit dem Göttlichen verbunden ist, und Untreue einem Verrat an höchsten Werten gleichkomme. „Manche Geistliche verdrehen die Lehren aus persönlichen Motiven und führen Menschen in die Irre. Doch das Wesen der Religion ist Moral. Wer über hohe Moral und Kultur verfügt, versteht, dass Untreue weder religiös noch menschlich akzeptabel ist“, so die Psychologin.
