Vor der COP29 tauchten in der Innenstadt von Baku kleine Mülleimer auf, gefeiert als Schritt hin zu einer saubereren, touristisch attraktiveren Stadt. Doch nun sind viele dieser Eimer auf mysteriöse Weise verschwunden — und die Bewohner haben keine andere Wahl, als Abfall auf den Boden zu werfen.
Verärgerte Bürger behaupten, die Entfernung könne Absicht sein, um die Bußgelder für Verschmutzung zu erhöhen.
Stadtbeamte verweisen auf die Wohnungs- und Kommunaldiensteinheiten der Bezirke (JCCU), die jeweils für ihr eigenes Gebiet zuständig sind. Große orange und grüne Container unterstehen dem Hauptamt der Stadt, während die kleineren Eimer den Bezirksstrukturen obliegen. “Jede JCCU entscheidet, wie viele Eimer in ihrem Gebiet aufgestellt werden”, erklärte Rathaussprecher Metin Huseynov Kaspi.Az.
Standards verlangen alle 100 Meter einen Mülleimer — und in belebten Gegenden wie dem Springbrunnenplatz sogar alle 50 Meter. Doch die Anwohner sagen, diese Regeln würden missachtet.
Stadtplaner Anar Aliyev betonte das Grundlegende: “Mülleimer sind Teil der städtischen Infrastruktur. Wenn man möchte, dass die Menschen keinen Müll wegwerfen, müssen die Eimer in Reichweite sein — mindestens alle 100 Meter.”
Umweltschützer warnen, dass der Rückbau mehr als nur ein kosmetisches Problem ist. “Lebensmittelabfälle zersetzen sich schnell und setzen giftige Gase und Gerüche frei. Alles, was wir wegwerfen, kehrt durch eine verschmutzte Umwelt zu uns zurück”, sagte der Ökologe Sadig Hasanov, der daran erinnerte, dass Kabinettsbeschluss Nr. 74 (2005) strengere Standards für Parks festlegte — alle 40 Meter ein Eimer und in stark frequentierten Bereichen sogar alle 10–50 Meter.
Auch Abgeordnete meldeten sich zu Wort. Rovshan Muradov, Parlamentarier und Mitglied des Umweltausschusses, vermutete, einige Eimer seien gestohlen oder stillschweigend entfernt worden. Doch in Sachen Verantwortung wurde er deutlich: “Bürger müssen die Stadt in jedem Fall sauber halten. In Japan tragen Raucher tragbare Aschenbehälter bei sich. Hier werfen die Leute Sonnenblumenschalen auf den Boden und finden das normal. Das ist inakzeptabel.”
Muradov fügte hinzu, dass Bußgelder allein nicht ausreichen — Bildung müsse an erster Stelle stehen. “Das Fehlen eines Eimers ist keine Ausrede für Müll. Aserbaidschan ist unser Zuhause. Wenn wir unsere Hauptstadt nicht sauber halten können, welche Botschaft senden wir dann?”
Vorerst bleibt das Rätsel bestehen: wurden die Eimer aus Mangel, Nachlässigkeit oder absichtlich entfernt? Welche Antwort es auch sein mag — die Bewohner Bakus stehen vor einer einfachen, aber dringenden Frage: Wohin mit dem Müll?
