In allen allgemeinbildenden Schulen Aserbaidschans beträgt die Unterrichtsdauer für Erstklässler derzeit 45 Minuten. Diese Regelung wurde 2012 durch Beschluss Nr. 171 des Ministerkabinetts eingeführt. Doch laut Azərbaycan müəllimi darf die effektive Lernzeit in der Grundschule höchstens 80 % der Gesamtzeit ausmachen.
Das Bildungsministerium bestätigte offiziell, dass eine Änderung dieser Normen derzeit nicht geplant ist.
Saida Dunjamalijewa, Methodikerin am Bildungsinstitut, betont zwar, dass die Dauer in allen Klassen gleich sei, räumt jedoch ein:
„Für Erstklässler kann ein 45-minütiger Unterricht eine erhebliche Belastung darstellen – sowohl psychisch als auch körperlich. Besonders bei Kindern ohne Vorerfahrung aus Kindergarten oder Vorschulgruppen.“
Sie erklärt, dass kleine Kinder schnell das Interesse verlieren, wenn sie zu lange dieselbe Tätigkeit ausführen. Bewegung und Spiel seien daher unverzichtbar. Entsprechend müsse der Unterricht abwechslungsreich gestaltet werden.
Internationale Erfahrungen
– Italien: 30–35 Minuten.
– Finnland: 45 Minuten mit verpflichtenden 15-minütigen Pausen.
– Lettland: 35 Minuten in der ersten Klasse, später 40–45.
– Türkei: 40 Minuten mit 10-minütigen Pausen.
– Singapur: 30–40 Minuten, spielerische Methoden dominieren.
– China: 40 Minuten, in einigen Regionen 35 Minuten für Erstklässler.
– Japan: 35 Minuten.
– England: Blocksystem mit 15–20-minütigen Einheiten und Pausen.
Laut der Amerikanischen Akademie für Pädiatrie können sich 6-Jährige nur 6–8 Minuten konzentrieren, 7-Jährige 7–9 Minuten. Die WHO betont, dass Kinder zwischen 6 und 7 Jahren alle 30–40 Minuten aufstehen und sich bewegen sollten.
Psychologen empfehlen die Formel: Alter × 2–5 Minuten. Ein 7-Jähriger kann demnach höchstens 14–35 Minuten effektiv aufmerksam sein.
Wie die internationale Praxis zeigt, sind die Unterrichtseinheiten in vielen Ländern kürzer als in Aserbaidschan. Länder mit anerkannt hoher Bildungsqualität wie Finnland und England legen zudem besonderen Wert auf Pausen und Bewegung.
