Weltweit heben Kräne Stahl und bauen Skylines. Im Iran heben sie menschliche Körper. Was andernorts ein Werkzeug des Fortschritts ist, wird in Teheran zum Symbol des Todes, da Hinrichtungen mit mechanischer Präzision durchgeführt werden.
Menschenrechtsgruppen warnen, dass der Iran Hinrichtungsrekorde bricht, wie sie seit einem Jahrzehnt nicht gesehen wurden. Fast 200 Menschen wurden allein in einem Monat dieses Jahres hingerichtet — darunter 21 Frauen. Drei Hinrichtungen fanden auf öffentlichen Plätzen statt, wobei Kinder gezwungen wurden, dem Schauspiel beizuwohnen.
Die Vereinten Nationen berichteten von über 900 Hinrichtungen im Jahr 2024. Wenn der aktuelle Trend anhält, wird dieses Jahr diese düstere Zahl übertreffen. Offizielle Stellen nennen Verbrechen wie Mord, Drogenhandel oder sexuelle Übergriffe. Doch Menschenrechtsverteidiger, darunter Amnesty International, betonen, dass viele Urteile nach Schauprozessen, erzwungenen Geständnissen und unter Verletzung internationalen Rechts gefällt werden.
Die Hinrichtungen stiegen parallel zu Protestwellen, was darauf hindeutet, dass die Todesstrafe nicht nur Strafe, sondern auch Waffe politischer Kontrolle ist. Um Dissens zum Schweigen zu bringen, setzt das Regime auf Angst — aber Angst schürt auch Wut. Beobachter merken an, dass öffentliche Wut wie eine Flut ist: keine Mauer oder Damm kann sie ewig halten.
Die Grausamkeit ist nicht neu. In den 1980er Jahren brachten Massenhinrichtungen unter geistlicher Herrschaft Ebrahim Raisi den Spitznamen „Der Schlächter“ ein. Jahrzehnte später, als Präsident, leitete Raisi eine weitere Welle von Todesurteilen, bis er 2024 bei einem Hubschrauberabsturz starb. Doch die von ihm hinterlassene Maschinerie läuft weiter.
Zusätzlich enthüllte Amnesty International, dass die Behörden in Teheran begonnen haben, die Gräber der in den 1980er Jahren hingerichteten politischen Gefangenen zu planieren, wobei Teile des Behesht Zahra-Friedhofs sogar in Bushaltestellen verwandelt wurden — Beweise staatlicher Verbrechen werden ausgelöscht.
Das heutige Rekordtempo der Hinrichtungen wirft eine bedrückende Frage auf: Wenn der Iran die Vergangenheit unter Asphalt begräbt, wie will er die Tragödien der Gegenwart verbergen?
Bizim.Media
