Den Kaukasus verlieren: Was Putin noch von Aserbaidschan will

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Russlands Einfluss im Südkaukasus schwindet – und nirgendwo wird dies deutlicher als in Aserbaidschan. Während Moskau an seiner alten Vorstellung einer Einflusszone festhält, orientiert sich Baku entschieden gen Westen und verschiebt damit das regionale Machtgefüge.

Die griechische Wirtschaftszeitung Naftemporiki schreibt, dass die ehemaligen Sowjetrepubliken sich allmählich aus Moskaus Umlaufbahn lösen. Aserbaidschan sei eines der deutlichsten Beispiele: Zusammenarbeit mit Russland nur in begrenztem Umfang, während die Beziehungen zum Westen ausgebaut werden.

Moskau’s schwindender Einfluss
„Putin will nur die Nachbarländer unter seinem Einfluss halten“, sagt Jakob Wollenstein, Kaukasus-Experte der Konrad-Adenauer-Stiftung. „Aserbaidschan gehört zu denen, die sich für eine begrenzte Kooperation mit Russland entschieden haben.“

Trotz einer großen Diaspora in Russland hat Aserbaidschan Abhängigkeiten vermieden. Importe aus Russland beschränken sich weitgehend auf Lebensmittel und Maschinen, während Baku seine Energieressourcen als außenpolitisches Druckmittel nutzt. Öl und Gas gehen nicht nur in die Ukraine, sondern vor allem nach Israel und in die EU — hauptsächlich über Griechenland und die TAP-Pipeline.

Washingtons Durchbruch, Moskaus Demütigung
Das deutlichste Zeichen für den Machtverlust Moskaus kam am 8. August, als Aserbaidschan und Armenien im Weißen Haus unter US-Vermittlung Friedensabkommen unterzeichneten — mit Donald Trump anwesend. Für Analysten war dies eine Demütigung für Moskau.

„Das war eine Beleidigung für Putin“, so Wollenstein. „Russland agierte seit Sowjetzeiten als Schutzmacht Armeniens. Bis vor Kurzem wurden sogar die Grenzen Armeniens zu Türkei und Iran sowie der wichtigste Flughafen in Jerewan von Russen bewacht.“

Das Abkommen ebnet den Weg für den sogenannten Zangezur-Korridor, der das aserbaidschanische Kernland mit Nachitschewan über Südermenien verbindet und so den direkten Zugang zur Türkei und nach Europa sichert. Griechische Kommentatoren tauften ihn bereits „Trumps Straße zu Frieden und Wohlstand“.

Zentralasien folgt dem Trend
Der geopolitische Wandel beschränkt sich nicht auf den Kaukasus. Am 18. August lobte Usbekistans Präsident Schawkat Mirsijojew in Taschkent die Außenpolitik Aserbaidschans und kündigte ein erweitertes Partnerschaftsabkommen mit der EU an. Er bezeichnete Aserbaidschan als „strategische Brücke“ zwischen Zentralasien und Europa und gratulierte Baku zu seinem von den USA vermittelten Abkommen mit Armenien.

Seit der russischen Invasion in die Ukraine haben sich die EU-Exporte nach Usbekistan im Vergleich zu 2021 verdoppelt und fast 4 Milliarden Euro erreicht.

Der Trump-Korridor: Moskau umgehen
Im Zentrum dieses Wandels steht der sogenannte Trump-Korridor: 4.250 km Schienen und 500 km Seewege, die China über das Kaspische Meer mit der Türkei verbinden und weiter über das Schwarze Meer nach Deutschland und in die Ukraine führen. Russland und Belarus werden dabei vollständig umgangen – eine handelspolitische Route frei von Sanktionen.

Laut Naftemporiki zieht dieses Projekt Aserbaidschan, Armenien und Usbekistan enger an Brüssel heran und verwandelt sie in strategische Partner, statt bloß Transitländer zu sein. Moskau hingegen bleibt zunehmend außen vor.

Analyse: Eine schrumpfende Einflusszone
Für Putin war Aserbaidschan nie ein Partner, sondern ein Objekt der Kontrolle. Doch US-Diplomatie, Europas Hunger nach Energi Diversifizierung und Zentralasiens Westorientierung zeigen: Das Kremlin verliert seine Fähigkeit, die Bedingungen in seinem ehemaligen Imperium zu diktieren. Der Verlust Aserbaidschans ist kein Einzelfall, sondern Teil des sichtbaren Zerfalls der postsowjetischen Einflusszone Russlands.

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