Irans neu ernannter Botschafter in Aserbaidschan, Mojtaba Demirchilu, bezeichnete den April-Besuch von Präsident Masoud Pezeshkian als Auftakt zu „einem neuen Kapitel“ der bilateralen Beziehungen — insbesondere durch ausgeweitete wirtschaftliche Zusammenarbeit. Seine Aussagen fielen in einem Interview mit dem aserbaidschanischen Fernsehen. „Präsident Pezeshkian kam in einer innenpolitisch schwierigen Phase nach Aserbaidschan, jedoch mit einer großen Delegation — ein Signal für die Bedeutung der Beziehungen zu Baku“, sagte Demirchilu. Nach dem Besuch hätten gemeinsame Projekte — vor allem wirtschaftliche — spürbar an Fahrt gewonnen.
Der Gesandte bekräftigte zudem das langjährige Prinzip Teherans, regionale Probleme ohne äußere Einmischung zu lösen. Er verwies ausdrücklich auf die Beilegung des Karabach-Konflikts:
„Solange externe Mächte beteiligt waren, blieb die Karabach-Frage ungelöst. Jetzt haben die Länder der Region es selbst geregelt — so sollte es weitergehen.“
Jüngste Belastungen in den Beziehungen Aserbaidschan–Iran
Trotz des Optimismus waren die bilateralen Beziehungen in den letzten Jahren angespannt. Hervorzuhebende Entwicklungen:
Botschaftsangriff im Januar 2023
Am 27. Januar 2023 griff ein Bewaffneter die aserbaidschanische Botschaft in Teheran an, tötete den Sicherheitschef und verletzte zwei weitere Personen. Iran sprach von einer persönlichen Auseinandersetzung; Aserbaidschan nannte es einen „Terrorakt“. In der Folge wiesen beide Länder Diplomaten aus, und Aserbaidschan setzte den Botschaftsbetrieb vorübergehend aus. Der Attentäter wurde im Mai 2025 im Iran hingerichtet.
Anschlagsplan gegen einen Rabbiner
Anfang 2025 vereitelte Aserbaidschan einen von Iran gelenkten Mordplan gegen Rabbiner Shneor Segal. Der Staatssicherheitsdienst nahm Akteure mit Verbindungen zur Quds-Einheit fest.
Grenzmanöver und wachsendes Misstrauen
Iran führte Militärübungen nahe der Grenze zu Aserbaidschan durch und hielt gemeinsame Manöver mit Armenien ab — Schritte, die Baku als Spannungstreiber wahrnahm.
US-Vermittelter Friedenskorridor: Zündfunke
Der von den USA unterstützte vorgeschlagene „Trump-Korridor“, der Aserbaidschans Kernland über Armenien mit Nachitschewan verbinden soll, stieß in Teheran auf heftigen Widerstand. Iran warnt vor einer Störung des regionalen Gleichgewichts.
Ein Nuancierter Neustart — Vorerst
Demirchilus Betonung von Eigenständigkeit und regionalem Dialog signalisiert einen diplomatischen Neustart. Präsident Pezeshkians Besuch in Baku, mitten in einem erhitzten geopolitischen Umfeld, ebnete den Weg für erneute Zusammenarbeit.
Doch der Schatten vergangener Vorfälle — Anschlagspläne, Botschaftsattacken, militärische Machtdemonstrationen und geostrategische Konkurrenz — bleibt. Eine echte Normalisierung erfordert Vertrauensaufbau, der über zeremonielle Höflichkeit hinausgeht.
