Wenn sich die Verkehrssituation in Baku weiter verschlechtert, könnte die Einführung einer Staugebühr für die Fahrt ins Stadtzentrum bald unvermeidlich werden.
Der Verkehrsexperte Yasin Mustafayev sagte gegenüber Qaynarinfo, dass die Maßnahme —die bereits in vielen Großstädten weltweit eingesetzt wird— helfen könnte, den Stillstand in der Hauptstadt zu lindern. „In vielen Ländern gibt es eine sogenannte Stau- oder Verkehrssteuer. Um einen Verkehrskollaps zu verhindern, müssen Autofahrer zahlen, wenn sie bestimmte Bereiche der Stadt betreten. Wir bewegen uns unweigerlich auf diese Lösung zu,“ erklärte Mustafayev.
Er argumentierte, dass die Einwohner Bakus auch ihre Pendelgewohnheiten überdenken müssten:
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Schulen, Kindergärten und Arbeitsplätze in fußläufiger Entfernung wählen,
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Strecken von weniger als einem Kilometer zu Fuß zurücklegen,
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sowie Fahrräder oder E-Scooter als Alternativen nutzen.
Gleichzeitig wies der Experte darauf hin, dass die öffentlichen Behörden die Verkehrsinfrastruktur ausbauen müssen. Geplant sind der Bau von zehn neuen U-Bahn-Stationen und die Wiederbelebung der Straßenbahnlinien. Auch Informations- und Aufklärungskampagnen werden notwendig sein, um die Bürger auf die Veränderung vorzubereiten.
Laut Mustafayev wächst der Fahrzeugbestand Aserbaidschans jährlich um etwa 100.000 Fahrzeuge, während weniger als 1 % verschrottet werden. „Das bedeutet, dass die Zahl der Autos exponentiell steigt. Das Problem wird durch laufende Straßenbauarbeiten in mehreren Bezirken weiter verschärft, die die Kapazität verringern, obwohl sie notwendig sind. Mit dem Schuljahresbeginn am 15. September wird die Belastung nur noch zunehmen,“ sagte er.
Er betonte, dass über die staatliche Politik hinaus auch die Familien verantwortungsvollere Entscheidungen treffen müssten, etwa die Erreichbarkeit des Verkehrs zu berücksichtigen, wenn sie entscheiden, wo sie leben oder wo sie ihre Kinder zur Schule schicken.
„Der Hauptfaktor, der die Krise antreibt, ist der übermäßige Gebrauch von Privatfahrzeugen. Die Bürger müssen ihre Reisegewohnheiten überdenken und nach Möglichkeit auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen,“ schloss Mustafayev.
