In den letzten Jahren hat das Bankensystem Aserbaidschans zunehmend Werkzeuge der Künstlichen Intelligenz (KI) eingeführt, was neue Chancen für Geschäftsbanken eröffnet.
Darüber informierte Shahin Mahmudzade, Generaldirektor der Zentralbank Aserbaidschans (ZBA), am Rande des VIII. Forums „Astana Finance Days“ gegenüber Report. Er erklärte, dass die ZBA eine Roadmap zur digitalen Transformation und das SupTech-Programm entwickelt habe:
„Wir müssen klar bestimmen, welche Elemente der KI wir bereits umsetzen können und für welche es noch zu früh ist. Die Frage darf man nicht schwarz-weiß betrachten. Und das gilt nicht nur für Aserbaidschan – jeder Regulator weltweit muss selbst entscheiden, wie stark er reguliert und wie viel Freiheit er den Geschäftsbanken lässt.“
Mahmudzade betonte, dass die Vorteile für Banken offensichtlich seien: weltweit setzen Wettbewerber KI bereits aktiv ein und steigern ihre Rentabilität, was für Nachzügler das Risiko eines Marktanteilsverlusts birgt.
Er erinnerte daran, dass traditionell der Privatsektor den Regulatoren voraus ist: „Die Aufsichtsbehörden müssen aufholen, Risiken identifizieren und entscheiden, ob bestimmte Instrumente reguliert, erlaubt oder verboten werden sollen. Im Falle der KI sind jedoch harte Einschränkungen oder Verbote eher unwahrscheinlich – sonst würde der Bankensektor des Landes rasch an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber regionalen Akteuren verlieren.“
Der Ansatz bei der Einführung von KI hängt laut ihm vom Entwicklungsstand des Landes, der Reife des Bankensektors, dem Humankapital und dem institutionellen Potenzial ab.
Mit Blick auf personenbezogene Daten stellte Mahmudzade fest, dass diese heute zu einer regelrechten Handelsware geworden sind:
„Die Erzeugung, Speicherung und Verwaltung von Daten verursacht Kosten, und viele Unternehmen erzielen damit Gewinne. KI-Tools interagieren zwangsläufig mit personenbezogenen Daten: je tiefer sie eingesetzt werden, desto größer sind die Risiken für Datenschutz und Sicherheit.“
Abschließend hob er hervor, dass das Bildungsniveau direkt beeinflusst, wie verantwortungsvoll eine Gesellschaft mit Daten umgeht: „In Ländern mit niedriger Alphabetisierung erkennen die Menschen oft nicht, was genau sie preisgeben und warum. Daher ist ein einheitlicher globaler Standard in diesem Bereich unmöglich. Alles hängt vom Entwicklungsstand des jeweiligen Landes ab: je höher er ist, desto aktiver werden Daten von Finanzinstituten und anderen Akteuren genutzt.“
