Apotheker in Aserbaidschans sozialen Netzwerken: Wenn Hilfe zur Gefahr wird

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In den letzten Jahren sind im aserbaidschanischen Teil der sozialen Netzwerke immer häufiger medizinische Ratschläge zu finden – von Vitaminempfehlungen bis hin zu detaillierten Behandlungsschemata für konkrete Krankheiten. Oft stammen diese Informationen nicht von Ärzten, sondern von Apothekern.

Der Mediziner Adil Geibulla erklärt, dass ein Apotheker, unabhängig von seiner Berufserfahrung, kein Recht hat, den Arzt zu ersetzen. Ärzte durchlaufen jahrelange Ausbildung, lernen Pharmakologie, Pharmakogenetik und Pharmakodynamik und verfügen über Wissen zu Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Medikamenten. Manche Präparate verstärken sich gegenseitig oder können gefährliche Kombinationen bilden – das kann nur ein Arzt fachgerecht beurteilen.

Geibulla betont zudem, dass es in Apotheken trotz Verbots immer wieder zu Rezeptänderungen kommt. Seiner Meinung nach besteht die Aufgabe des Apothekers darin, Arzneimittel herzustellen und deren legalen Verkehr zu überwachen, nicht aber Behandlungen vorzuschreiben.

Auch Therapeut und Hepatologe Zaur Orudzhev warnt: Online-Behandlungen ohne Untersuchung und Analysen bergen erhebliche Risiken. Patienten schildern ihre Beschwerden oft zu knapp, Diagnosen können falsch sein, und die erhoffte Hilfe bleibt aus. In rund 30 Prozent der Fälle tritt eine Besserung nur durch den Placebo-Effekt ein. Zugleich hat Orudzhev Patienten behandelt, die durch unkontrollierte Medikamenteneinnahme toxische Hepatitis entwickelten.

Das Analytische Expertisenzentrum des Gesundheitsministeriums weist darauf hin, dass Werbung für verschreibungspflichtige Medikamente oder nicht zugelassene Methoden mit Geldstrafen von 300–500 Manat für Verantwortliche und 1000–2000 Manat für Unternehmen geahndet wird. Zudem verbietet das Gesetz den Online-Kauf von Arzneimitteln; sie dürfen nur in Apotheken und gegen ärztliches Rezept ausgegeben werden.

Die Juristin Afifa Askerova-Kazandji erklärt: Laut Werbegesetz darf die Werbung für frei verkäufliche Medikamente weder das Gefühl vermitteln, dass ein Arzt überflüssig sei, noch eine absolute Wirksamkeit oder Sicherheit garantieren. Ebenso ist die kostenlose Abgabe oder das Bewerben von Medikamenten im Rahmen medizinischer Dienstleistungen verboten.

Sie stellt klar: Wenn ein Apotheker oder Arzt in sozialen Netzwerken Empfehlungen für die Behandlung einer bestimmten Krankheit gibt, gilt dies als medizinische Tätigkeit. Nach dem Gesetz über die private medizinische Praxis ist diese in Aserbaidschan ohne Lizenz untersagt.

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