Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat die Wiederbelebung der regionalen Plattform „3+3“ gefordert und erklärt, es sei der „richtige Zeitpunkt“, um Gespräche zwischen Aserbaidschan, Armenien, Georgien und den drei großen Nachbarn – Russland, Iran und Türkei – wieder aufzunehmen. Bei einer Rede am MGIMO erinnerte Lawrow sein Publikum daran, dass das Konzept ursprünglich von Baku und Ankara nach dem Zweiten Karabach-Krieg vorgeschlagen worden war.
„Vor zwei Jahren hatten wir ein paar Treffen auf Minister- und Vizeministerebene. Unsere iranischen Nachbarn unterstützen es, und die Türkei und Aserbaidschan gehörten zu den Initiatoren. Deshalb hoffe ich, dass dieses Format in naher Zukunft wieder aufgenommen wird“, sagte Lawrow. Was der russische Minister jedoch verschwieg, ist aufschlussreich. Georgien nahm nie an der Plattform teil und verwies auf seinen ungelösten Konflikt mit Moskau. Aserbaidschan und Armenien führen inzwischen direkte Gespräche und haben bereits einen bilateralen Friedensvertrag paraphiert. Teherans schwierige Beziehung zu Baku ist eine weitere Komplikation. Vor diesem Hintergrund wirkt das „3+3“ eher wie ein russisches Schlagwort als eine regionale Notwendigkeit.
Der Politologe Murad Sadaddinov sagte gegenüber Media.Az, dass die ursprüngliche Idee sinnvoll war. „Aus geografischer und wirtschaftlicher Sicht ergab sie Sinn. Die Infrastruktur-, Energie- und Verkehrsprojekte der Region sind voneinander abhängig, und die Einbindung aller sechs Länder hätte eine Grundlage für langfristigen Frieden schaffen können. Aber aus Gründen, die außerhalb der Kontrolle von Baku und Ankara lagen, kam das Projekt nach nur zwei Treffen – in Moskau und Teheran – zum Stillstand, und selbst diese waren ohne Georgien unvollständig.“
Fast fünf Jahre später, so Sadaddinov, haben sich die Bedingungen geändert.
„Armenien und Aserbaidschan haben einen bilateralen Friedensvertrag paraphiert und klären die Details direkt. Allein diese Tatsache reduziert die Dringlichkeit, zu einem Sechs-Parteien-Rahmen zurückzukehren. Gleichzeitig bleibt Georgiens kategorische Weigerung, mit Moskau am selben Tisch zu sitzen, unverändert, was jede echte Wiederbelebung des ‘3+3’ blockiert.“
Er fügt hinzu, dass die Geografie die sechs Länder langfristig zu irgendeiner Form der Zusammenarbeit zwingen werde. Doch heute liegt Aserbaidschans unmittelbarer Fokus auf dem Abschluss des Friedensabkommens mit Armenien, dem Ausbau der Verkehrsverbindungen und dem Aufbau pragmatischer Partnerschaften ohne das Ballast eines scheiternden, von Russland geführten Rahmens.
Für Baku liest sich Lawrows Aufruf weniger wie eine Chance, sondern eher wie Moskaus Versuch, seinen Einfluss in einer Region zurückzugewinnen, in der seine Hebelwirkung stark geschwunden ist.
