Russland verstärkt spürbar seine militärische Präsenz in Armenien. In den vergangenen Wochen wurden große Mengen an Ausrüstung und Munition zur russischen Basis 102 in Gjumri transportiert. Täglich landen russische Militärflugzeuge im Land, berichten armenische Medien. Der Zweck bleibt unklar – doch es gibt Spekulationen.
Laut Serhij Danilow, Vizedirektor des Kiewer Zentrums für Nahoststudien, könnte Russland auf diesem Wege verdeckte Waffenlieferungen an den Iran verschleiern. Er verweist auf eine frühere stillschweigende Vereinbarung zwischen Israel und Russland, keine sensiblen Waffensysteme an Teheran oder Kiew zu liefern. Diese Balance sei mit dem Gaza-Krieg jedoch zusammengebrochen. (Media.Az)
Danilow hält es für möglich, dass Russland Gjumri als logistischen Umschlagplatz nutzt, um Lieferungen per Landweg in den Iran zu schicken. Allerdings bezweifelt er, dass eine solche Tarnung gegenüber dem israelischen Geheimdienst Bestand hätte.
Eine zweite Erklärung sieht den Truppenaufbau als politische Botschaft – sowohl an Armenien als auch an Aserbaidschan. Russland könnte signalisieren wollen, dass es zu militärischen Maßnahmen bereit ist, sollte sein Einfluss in der Region weiter schwinden.
Auch der aserbaidschanische Sicherheitsexperte Ilham Ismayil sieht die Entwicklung im Kontext der angespannten Beziehungen zwischen Moskau und Baku. Für ihn ist die Aufrüstung in Gjumri ein Signal an pro-russische Kräfte in Armenien, an die Kirche und vor allem an Premierminister Paschinjan: Russland bleibt – mindestens bis 2044, wie es das bestehende Abkommen vorsieht.
