Aserbaidschan ist in den letzten Wochen von einer Reihe brutaler innerfamiliärer Verbrechen erschüttert worden. Die Polizei meldete mehrfach Fälle, in denen Kinder ihre Eltern, Eltern ihre Kinder oder Schwiegertöchter ihre Schwiegermütter (und umgekehrt) auf grausame Weise getötet haben. Besonders alarmierend ist nicht nur die Zahl der Taten, sondern auch ihre außergewöhnliche Brutalität.
Dabei galt die aserbaidschanische Gesellschaft lange Zeit als Symbol starker familiärer Werte: Respekt gegenüber Eltern, Nähe zwischen den Generationen und starke Mutter-Kind-Beziehungen. Doch diese traditionellen Prinzipien scheinen zunehmend an Bedeutung zu verlieren.
Was geschieht mit den Familien? Warum zerbrechen vertraute Beziehungen?
Laut dem Psychologen Fuad Asadov liegt der Ursprung der Gewalt in der Unfähigkeit, mit emotionalem Druck umzugehen.
„Der Anstieg spiegelt tief verwurzelte psychologische, soziale und juristische Defizite wider. Menschen leiden unter Stress, Depressionen und Überforderung – und wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen. In vielen Familien herrschen Gehorsam und Angst anstelle von Kommunikation und Zuneigung“, sagte Asadov.
Auch wirtschaftlicher Druck, fehlende emotionale Bildung, mangelnder Zugang zu psychologischer Hilfe und schwache gesetzliche Maßnahmen gegen häusliche Gewalt verstärken das Problem.
„Wenn Liebe und Respekt durch Kontrolle und Gewalt ersetzt werden, ist eine Katastrophe vorprogrammiert. Der Zugang zu psychologischer Hilfe muss erleichtert, emotionale Intelligenz früh gelehrt, Gesetze verschärft und Medien zur Verantwortung gezogen werden“, forderte der Psychologe.
