Geteiltes Eigentum ist in Aserbaidschan eine der häufigsten, aber auch am meisten missverstandenen Formen des Eigentums. Obwohl das Gesetz die Rechte und Pflichten der Miteigentümer klar festlegt, entstehen häufig Streitigkeiten über den Verkauf eines Anteils, die Nutzung gemeinsamer Räume oder die Einholung der Zustimmung anderer Eigentümer. Anwälte warnen, dass Unkenntnis der Regeln zu kostspieligen Fehlern führen kann.
In einem Interview mit Media.Az erklärte Rechtsanwalt Akram Hasanov, wie Eigentümer ihre Rechte schützen und Konflikte vermeiden können. Er wies darauf hin, dass Gesamteigentum – oft durch Ehe begründet – sich vom geteilten Eigentum unterscheidet. Im Gesamteigentum haben Ehegatten gleiche Rechte ohne festgelegte Anteile. Verkauft oder verschenkt ein Ehegatte das gemeinsame Eigentum ohne Zustimmung des anderen, kann der Vertrag vor Gericht angefochten werden. Geteiltes Eigentum hingegen weist jedem Beteiligten einen bestimmten Anteil zu, etwa 50 %, 30 % oder 20 %. Eigentümer können ihren Anteil ohne Zustimmung verkaufen, verschenken oder vermieten, dürfen aber nicht das gesamte Eigentum allein kontrollieren. Streitigkeiten entstehen häufig über die Nutzung der Flächen, wobei Großaktionäre die profitabelsten Bereiche in Einkaufszentren oder Bürogebäuden beanspruchen.
Hasanov betonte, dass das aserbaidschanische Recht den Miteigentümern ein Vorkaufsrecht beim Verkauf eines Anteils einräumt. Ein Anteilseigner muss seinen Anteil zunächst den bestehenden Miteigentümern zu denselben Bedingungen anbieten. Lehnen diese innerhalb von 30 Tagen ab, darf der Verkauf an einen externen Käufer erfolgen. Die Nachfrage nach Teileigentum ist jedoch gering, da Käufer die alleinige Kontrolle bevorzugen.
Besondere Regeln gelten, wenn Minderjährige beteiligt sind. Ein Elternteil oder Vormund darf den Anteil eines Kindes nicht ohne Genehmigung der örtlichen Exekutivbehörden verkaufen, die sicherstellen müssen, dass die Transaktion im besten Interesse des Kindes liegt. Die Erlöse werden in der Regel auf ein geschütztes Bankkonto eingezahlt oder für Bildung oder Gesundheitsversorgung verwendet.
Hasanov unterstrich, dass stärkere rechtliche Schutzmechanismen notwendig sind, um Streitigkeiten zu verringern und Vertrauen zwischen Miteigentümern aufzubauen. Bis dahin sollten Eigentümer vorsichtig handeln und vor Entscheidungen Rechtsrat einholen.
