Der Inflationsdruck in Aserbaidschan zeigt Anzeichen einer Abschwächung. Die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) prognostiziert nach Monaten steigender Preise für die zweite Jahreshälfte eine Verlangsamung.
Laut dem September-Bericht der ADB stieg die jährliche Inflation bis Ende Juni auf 5,9 %, ein deutlicher Anstieg gegenüber 0,7 % ein Jahr zuvor. Der Anstieg spiegelte eine Kombination aus steigenden Importkosten und von der Regierung genehmigten Tariferhöhungen wider, die Mitte 2024 und Anfang 2025 eingeführt wurden. Die Lebensmittelpreise stiegen um 6,6 %, Nicht-Lebensmittel um 2,7 % und Dienstleistungen um 7,5 %, was den breit angelegten Kostendruck auf die Wirtschaft verdeutlichte. Dennoch erwartet die ADB, dass sich die Inflation in den kommenden Monaten abkühlt, da die einmaligen Effekte der Tarifänderungen nachlassen. Die Zentralbank Aserbaidschans handelte mit vorsichtigem Optimismus und senkte im Juli den Leitzins von 7,25 % auf 7 % – die erste Senkung seit Mai 2024. Beamte stellten fest, dass die Inflation innerhalb des Zielbandes von 2 bis 6 % geblieben sei, was Spielraum für eine moderate Lockerung der geldpolitischen Bedingungen gab.
Für die Zukunft prognostiziert die ADB eine durchschnittliche Inflation von 4,2 % im Jahr 2025 und 3,5 % im Jahr 2026, unverändert gegenüber ihren früheren Prognosen. Die nationalen Behörden vertreten eine etwas andere Ansicht: Das Wirtschaftsministerium erwartet in diesem Jahr eine Inflation von 5,4 % und im nächsten Jahr von 4,3 %, während die Schätzung der Zentralbank vom Juli für 2025 bei 5,7 % und für 2026 bei rund 5,3 % liegt.
Die unterschiedlichen Prognosen verdeutlichen den Balanceakt, vor dem die politischen Entscheidungsträger stehen. Während ein Rückgang der Gesamtinflation erwartet wird, bestehen weiterhin Risiken durch die globalen Energie- und Lebensmittelmärkte sowie mögliche Schwankungen der Importkosten.
Gleichzeitig scheinen die Geldbehörden Aserbaidschans entschlossen zu sein, das Wachstum zu unterstützen, ohne die finanzielle Stabilität zu gefährden – eine Priorität, da das Land Strukturreformen durchführt und weiterhin in Energie- und Verkehrsinfrastruktur investiert.
