Die Beziehungen zwischen Aserbaidschan und Russland bleiben in einem langanhaltenden Frost – ruhig an der Oberfläche, gespannt darunter. Die offene Konfrontation des vergangenen Jahres ist verblasst, doch Vertrauen ist nicht zurückgekehrt. Die Frage, die nun über beiden Hauptstädten schwebt, ist einfach, aber symbolisch:
Wird Präsident Ilham Aliyev Wladimir Putin am 7. Oktober zu seinem Geburtstag gratulieren – und wird er am GUS-Gipfel am 10. Oktober teilnehmen, bei dem der russische Führer erwartet wird?
Zwischen Schweigen und Distanz
Die Rhetorik hat sich auf beiden Seiten gemildert. Russische Staatsmedien haben ihre Kritik an Baku reduziert, während aserbaidschanische Beamte öffentliche Vorwürfe vermeiden. Doch dies ist eine Pause, keine Versöhnung.
In Baku bleibt die Erinnerung an den AZAL-Flugzeugvorfall schmerzhaft und ungelöst. Viele glauben, dass sich die Beziehungen erst dann wieder erwärmen werden, wenn Moskau Verantwortung übernimmt und sich offiziell entschuldigt.
Die Politik der Gesten
Beim Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit in Astana war Aliyevs Händedruck mit Putin auffallend kühl – kurz, formell, ohne die frühere Vertrautheit.
Beobachter sahen darin ein klares Signal: Die Ära der “besonderen Beziehungen” ist vorbei. Was bleibt, ist pragmatische Diplomatie ohne Emotionen.
Interessanterweise sandte Putin am 22. August eine Glückwunschbotschaft an Mehriban Aliyeva, die Erste Vizepräsidentin Aserbaidschans, wünschte ihr Gesundheit, Glück und Erfolg und richtete Grüße an Präsident Aliyev und seine Familie.
Ein höfliches Zeichen – aber keines, das den Frost zwischen Moskau und Baku schmelzen ließ.
Öffnung nach Europa
Inzwischen baut Präsident Aliyev anderswo neue Brücken. Sein jüngstes Treffen mit Emmanuel Macron – einst einer der schärfsten Kritiker Bakus – markierte einen stillen diplomatischen Durchbruch.
Aserbaidschans Außenpolitik wird heute weniger von Nostalgie für “strategische Partnerschaften” bestimmt, sondern von Balance und Diversifizierung.
Baku nimmt die Beziehungen zu Europa wieder auf, stärkt die Bindungen zu den USA und vertieft die Zusammenarbeit in der türkischen Welt – während es eine vorsichtige diplomatische Distanz zu Moskau wahrt.
Duschanbe als Prüfstein
Alle Augen richten sich nun auf den GUS-Gipfel am 10. Oktober in Duschanbe, bei dem Putin die regionalen Führer empfangen wird.
Ob Aliyev teilnimmt, wird ein Signal weit über das Protokoll hinaus senden.
Bleibt er fern, bestätigt dies Aserbaidschans Abkehr von Russlands Einflussbereich.
Nimmt er teil, wird es eine Geste kalkulierter Diplomatie sein – keine Kameradschaft.
Kalt, höflich, vorhersehbar
Der derzeitige Zustand der aserbaidschanisch-russischen Beziehungen lässt sich am besten als kalte Höflichkeit beschreiben.
Aserbaidschan sucht keine Konfrontation, akzeptiert aber keine Abhängigkeit mehr.
Russland scheint derweil nicht bereit, eigene Fehler einzugestehen oder seine regionale Haltung anzupassen.
Selbst wenn Aliyev Putin Glückwünsche sendet, wäre es eine Höflichkeit – keine Verbindung.
