Rauchen bleibt eine der größten Gesundheitsbedrohungen weltweit und fordert jedes Jahr Millionen Todesopfer. Trotz jahrzehntelanger Anti-Tabak-Kampagnen sind die Ergebnisse weiterhin besorgniserregend.
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist die Zahl der Raucher in den letzten 15 Jahren um 27 % gesunken und liegt nun bei etwa 1,2 Milliarden Menschen. Doch viele ehemalige Raucher haben ihre Nikotinsucht nicht überwunden – sie sind auf E-Zigaretten umgestiegen, insbesondere Frauen und Jugendliche.
Rauchen in Aserbaidschan: Statistik und Wahrnehmung
Laut dem Staatlichen Statistikkomitee Aserbaidschans sind 31,2 % der Männer über 15 Jahre und 0,2 % der Frauen tabakabhängig.
Die Meinungen gehen auseinander.
„Ich lehne Raucher entschieden ab – jeder Zug fügt der Lunge irreparablen Schaden zu“, sagt ein Befragter in Baku.
Ein anderer erklärt: „Ich habe wegen der Preise aufgehört. Zigaretten wurden zu teuer, ich musste aufhören.“
Zigaretten und E-Zigaretten: doppelte Gefahr
Ärzte erinnern daran, dass Tabak nicht nur den Geldbeutel belastet, sondern auch die Gesundheit: Er erhöht das Risiko von Lungenkrebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes.
Der Glaube, E-Zigaretten seien harmlos, ist ein Irrtum – Studien zeigen, dass sie ähnlich schädlich wie herkömmliche Zigaretten sind.
Der Pulmonologe Alizamin Sadygov nennt alarmierende Zahlen:
„Über 100 Millionen Menschen weltweit nutzen regelmäßig E-Zigaretten. Davon sind 85 Millionen Erwachsene und 15 Millionen Kinder oder Jugendliche, basierend auf Daten aus 107 Ländern.“
Er weist auf gesetzliche Lücken hin:
„In 74 Ländern gibt es keine Altersbeschränkung für den Kauf von E-Zigaretten. Theoretisch kann selbst ein fünfjähriges Kind ein Vape erwerben. Studien zeigen, dass E-Zigaretten das Risiko von Krebserkrankungen erhöhen und Asthma bei Kindern und Jugendlichen verschlimmern.“
Gesellschaftliche Dimension
Soziologen sehen in der E-Zigarette nicht nur ein Suchtmittel, sondern ein soziales Phänomen.
Unter Jugendlichen gilt das Dampfen als Symbol des Erwachsenwerdens und der Selbstbestätigung.
Der Soziologe Uzeyir Shafiev warnt:
„Obwohl die Zahl der klassischen Raucher sinkt, steigt die Beliebtheit von Wasserpfeifen und E-Zigaretten in Aserbaidschan und weltweit stark an. Besonders besorgniserregend sind das sinkende Einstiegsalter und der wachsende Anteil rauchender Frauen.
Es gibt Gesetze, die das Rauchen in öffentlichen Räumen verbieten, doch die Kontrolle muss deutlich verschärft werden. Regelmäßige Überprüfungen und strengere Strafen sind notwendig“, betont er.
WHO: Kampf gegen Tabakepidemie verstärken
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ruft die Länder auf, den Kampf gegen Tabakabhängigkeit zu intensivieren.
Empfohlene Maßnahmen:
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strengere Regulierung des Verkaufs von E-Zigaretten und nikotinhaltigen Produkten;
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Erhöhung der Tabaksteuern;
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vollständiges Werbeverbot für Tabakprodukte;
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Ausbau der Behandlungsangebote für Nikotinabhängigkeit.
Die WHO betont, dass nur ein systematischer Ansatz und eine konsequente Durchsetzung der Gesetze den Tabakkonsum senken und die Zunahme des Vapens unter Jugendlichen stoppen können.
