Die Sandinsel Kum hat sich mit dem Festland verbunden und ist so zu einer Halbinsel geworden. Darüber berichtete der bekannte Fotograf Aleksey Lyokin anhand eines Fotobeweises. „Das Absinken des Kaspischen Meeres am Beispiel der Kum-Insel: 2025 wurde die Insel zur Halbinsel und verband sich mit dem Ufer“, so der Fotograf.
In den letzten Jahren hat der sinkende Wasserspiegel des Kaspischen Meeres die Verbindung der Kum-Insel mit den Küstenflächen verstärkt. Früher wurde diese Verbindung technisch durch einen künstlichen Damm hergestellt, nun ist sie das Ergebnis natürlicher Prozesse.
Könnte die natürliche Verbindung der Kum-Insel mit dem Festland ein Risiko für die Ökosysteme und insbesondere für Flora und Fauna in der Bucht von Baku darstellen?
Enver Aliyev, Abteilungsleiter und Ökologe am Institut für Geographie der Nationalen Akademie der Wissenschaften von Aserbaidschan, äußerte sich dazu gegenüber Oxu.Az.
Er erklärte, dass das Absinken des Wasserspiegels im Kaspischen Meer nicht nur geografisch, sondern auch ökologisch große Besorgnis auslöst: „Dieser Prozess ist mittlerweile ein Trend und wird nicht nur in unserem Gebiet, sondern auch in anderen Küstenregionen beobachtet. Sinkt der Wasserspiegel weiter, können an manchen Stellen neue Inseln entstehen oder bisher überflutete Flächen werden freigelegt. Diese Veränderungen wirken sich direkt auf das Ökosystem des Kaspischen Meeres aus. Wenn sich die Küstenlinie verschiebt, werden Flora und Fauna in diesen Gebieten massiv geschädigt.
Durch die Verflachung verschwinden Lebensräume mancher Arten. Wenn eine Pflanzenart ausstirbt, leiden auch die Tiere, die sich davon ernähren. Das unterbricht die Nahrungskette, was wiederum zu einem Rückgang der Fischbestände führt. Je weniger Gräser und Kleinstlebewesen in der Küstenzone vorhanden sind, desto weniger Nahrung gibt es für die Fische.“
Der Experte fügte hinzu, dass zwar neue Ökosysteme entstehen, diese aber den Bedarf der bestehenden Arten nicht decken können:
„Wie lange dieser Prozess andauert und zu welchen Ergebnissen er führt, ist noch nicht klar. Einige Tierarten, wie etwa Otter, können nur in Küstenregionen leben und haben keine Möglichkeit, in tiefem Wasser zu überleben. Wenn ihre Lebensräume austrocknen, könnten diese Tiere verschwinden. Das ist ein klares Warnsignal.
Der Rückgang der Flora, das Austrocknen des Bodens und die Veränderung der Küstenlinie wirken sich letztlich negativ auf die gesamte biologische Vielfalt des Kaspischen Meeres aus. Ein geschwächtes Ökosystem stellt die Existenz von Fischen und anderen Lebewesen infrage.“
