Krise der Männer im Bildungswesen: Warum verschwinden männliche Lehrer in Aserbaidschan?

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In Aserbaidschan zeichnet sich seit Jahren eine besorgniserregende Entwicklung ab: Die Zahl der männlichen Lehrer sinkt rapide. In vielen Schulen besteht das Kollegium heute ausschließlich aus Frauen. Experten warnen, dass Lehrer nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch prägende Vorbilder für Kinder sind.

Traditionell wurde das geringe Interesse von Männern am Lehrerberuf mit niedrigen Gehältern erklärt. Doch trotz jüngster Gehaltserhöhungen im Bildungssektor ist kein signifikanter Zustrom männlicher Lehrer zu beobachten. Auch im Hochschulbereich erreicht die Zahl der Männer in pädagogischen Studiengängen ein Rekordtief.

Laut dem Staatlichen Prüfungszentrum Aserbaidschans ist das Geschlechterungleichgewicht in pädagogischen Fächern deutlich: An der Aserbaidschanischen Staatlichen Pädagogischen Universität sind nur 14,64 % der Studierenden Männer, während 85,36 % Frauen sind.

Einige Beobachter glauben, dass Frauen von Natur aus eher zum Unterrichten neigen:
„Männer unterrichten meist Sport, aber bei Fächern wie Sprache, Mathematik oder Naturwissenschaften sind Frauen engagierter.“

Andere betonen die bedeutende Rolle männlicher Lehrer für die Entwicklung von Jungen:
„Damit Jungen Disziplin lernen, Verantwortung übernehmen und zu starken Männern heranwachsen, sind männliche Lehrer unerlässlich.“

Bildungsexperte Kamran Asadov nennt alarmierende Zahlen: 81 % der Lehrer sind Frauen, 19 % Männer, und das Durchschnittsalter männlicher Lehrer liegt bei 47 Jahren – ein klares Zeichen für Nachwuchsmangel.

Asadov erklärt:
„In Schulen, in denen technische und naturwissenschaftliche Fächer von Männern unterrichtet werden und sie auch Führungsrollen übernehmen, sind die Disziplin und die schulischen Leistungen besser, und das soziale Klima ist stabiler.“

Um den Trend umzukehren, schlägt Asadov gezielte Maßnahmen vor:
„Männern sollte ein Fixgehalt von mindestens 600 Manat gezahlt werden, unabhängig von der Unterrichtsstundenzahl, sowie Zuschläge pro Unterrichtseinheit.“
Zudem sollten männliche Lehrer von Transport- und Nebenkosten befreit werden, da sie oft die Hauptverdiener der Familie sind.

Nach Angaben des Ministeriums für Wissenschaft und Bildung gibt es derzeit 117.000 Lehrerinnen und nur 19.000 Lehrer. Im Schuljahr 2024–2025 unterrichten nur 1.781 Männer in den Grundschulen.

Experten empfehlen, gezielt männliche Lehrkräfte in Schlüsselbereichen wie Aserbaidschanisch, Literatur, Geschichte und im Grundschulunterricht einzusetzen, um das nationale Wertebewusstsein und die soziale Stabilität im Bildungswesen zu fördern.

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