Während die Spekulationen über ein mögliches Treffen zwischen Donald Trump und Wladimir Putin in Budapest zunehmen, stellt sich die Frage, ob der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eingeladen wird – und welche Art von „Friedensabkommen“ aus solchen Gesprächen hervorgehen könnte.
Laut dem Kreml laufen die Vorbereitungen für einen möglichen Trump–Putin-Gipfel „auf Hochtouren“, auch wenn „noch viel zu tun“ bleibt. Das Treffen könnte „innerhalb von zwei Wochen oder etwas später“ stattfinden, berichtete Reuters.
Trump erklärte seinerseits, er wolle den Krieg „schnell beenden“ und deutete an, dass ein Waffenstillstand eine Einfrierung des Konflikts entlang der aktuellen Frontlinien beinhalten könnte – ein Vorschlag, der in Kyjiw und in Europa bereits für große Unruhe sorgt.
Ein angespanntes diplomatisches Dreieck
Berichte aus Washington und europäischen Hauptstädten deuten darauf hin, dass Trump Selenskyj unter Druck gesetzt habe, ein Abkommen zu akzeptieren, das die territoriale Kontrolle Moskaus widerspiegelt.
Sowohl die Financial Times als auch die Associated Press (AP) berichteten von einem angespannten Austausch zwischen den beiden Staatschefs, bei dem Trump angeblich „Flexibilität“ verlangte und Kyjiw vorwarf, den Konflikt „in die Länge zu ziehen“.
Selenskyj erklärte jedoch gegenüber dem Guardian, dass er bereit wäre, am Budapest-Gipfel teilzunehmen, falls er offiziell eingeladen werde, und bezeichnete dies als „eine Gelegenheit, die Position der Ukraine direkt zu verteidigen“. Seine Teilnahme bleibt jedoch ungewiss.
Unterdessen äußerten europäische Beamte Besorgnis. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell sagte, Putins möglicher Besuch in einem EU-Mitgliedstaat sei „keine gute Sache“ und warnte, dass ein separater Friedensprozess die Einheit des Westens untergraben könnte.
Moskau verfolgt rechtliche und strategische Ziele
Analysten sind der Ansicht, dass das Hauptziel des Kremls bei möglichen Gesprächen darin besteht, eine rechtliche Anerkennung – selbst indirekt – der neuen territorialen Realitäten zu erreichen.
„Russland sucht nach einer minimalen rechtlichen Grundlage, um künftige ukrainische Ansprüche auf besetzte Gebiete zu verhindern“, sagte der in Baku ansässige Politikanalyst Farhad Mammadov gegenüber Minval Politika.
„Aber Präsident Selenskyj hat keine verfassungsmäßige Befugnis, solche Zugeständnisse zu machen – was dieses Szenario formal nahezu unmöglich macht“, fügte Mammadov hinzu.
Er argumentierte, Moskau könne stattdessen politische Schritte unternehmen, die ähnliche Ergebnisse erzielen – etwa Wahlen oder Führungswechsel in der Ukraine, um eine regierungsfreundlichere Haltung zu schaffen.
Eine weitere zentrale Priorität für Russland, so Mammadov, sei eine teilweise Aufhebung der Sanktionen.
„Der Kreml versteht, dass Europa die Sanktionen nicht aufheben wird, aber es besteht das Gefühl, dass Washington einige Beschränkungen lockern könnte, wenn eine Einigung erzielt wird“, erklärte er. „Das allein würde der russischen Wirtschaft helfen, wieder aufzuatmen.“
Die NATO-Frage
Das sensibelste Thema bleibt die Beziehung der Ukraine zur NATO. Moskau lehnt weiterhin jede Präsenz des Bündnisses auf ukrainischem Territorium ab, während westliche Diplomaten uneinig darüber sind, welche Sicherheitsgarantien eine volle Mitgliedschaft ersetzen könnten.
„Die Konfiguration der NATO-Kräfte in der Ukraine wird eines der schwierigsten Themen sein“, sagte Mammadov. „Selbst innerhalb des Bündnisses gibt es keinen Konsens.“
Eine riskante Phase des diplomatischen Spiels
Ob Selenskyj am Budapest-Treffen teilnehmen wird, ist weiterhin unklar – Mammadov hält es jedoch für unwahrscheinlich:
„Ein trilateraler Gipfel zwischen Trump, Putin und Selenskyj scheint in dieser Phase unwahrscheinlich. Solche Gespräche erfordern, dass mindestens 90 % der Entscheidungen im Voraus abgestimmt sind; andernfalls droht das Ganze in eine lautstarke Auseinandersetzung zu kippen.“
Mammadov sieht die derzeitige diplomatische Dynamik als „eine weitere Pendelbewegung“ – eine Vorbereitungsphase, in der jede Seite versucht, vor möglichen Verhandlungen einen Teil ihrer Interessen zu sichern.
„In den kommenden Wochen“, sagte er, „werden Trump, Putin und Selenskyj versuchen, Budapest zu ihrer eigenen Erfolgsgeschichte zu machen. Aber die wahre Bewährungsprobe wird sein, ob einer von ihnen diesen Krieg tatsächlich beenden kann – oder ihn nur unter einem neuen Namen fortsetzt.“
