Der Vorschlag, für Pädophile in Aserbaidschan eine verpflichtende chemische Kastration einzuführen, hat nach der jüngsten Festnahme eines 64-jährigen Mannes, der im Bezirk Sabirabad ein junges Mädchen sexuell missbraucht haben soll, an Fahrt aufgenommen. Videoaufnahmen des Vorfalls verbreiteten sich rasant in den sozialen Medien, woraufhin die Behörden schnell handelten und die Debatte um härtere Strafen für solche Verbrechen erneut aufflammte.
Psychiater Araz Manuchehri-Lalei bezeichnete gegenüber Minval die sexuelle Anziehung zu Kindern als psychiatrische Störung und forderte eine Pflichtbehandlung in psychiatrischen Kliniken — und in schweren Fällen eine chemische Kastration.
“So unmenschlich es klingen mag, diese Menschen sollten chemisch kastriert werden. In manchen Ländern ist das akzeptiert, in anderen nicht. Aber wenn sich das Verlangen auf ein drei- oder vierjähriges Kind richtet, ist das zweifellos eine psychische Störung,” so Manuchehri-Lalei.
Er wies darauf hin, dass manche Länder chemische Kastration einsetzen, andere wiederum Medikamente zur Libidohemmung und Berufsverbote im Umgang mit Kindern. Rechtliche Änderungen müssten aber auch das Risiko von Fehlurteilen berücksichtigen.
Kinderschutz-Aktivisten unterstützen den Vorschlag
Kyamala Agazade, Vorsitzende der öffentlichen Vereinigung “Kinder Aserbaidschans”, befürwortete die Initiative und betonte die Notwendigkeit, Gesetze anzupassen und das Strafgesetzbuch zu aktualisieren. Sie forderte zudem neue medizinische Protokolle und eine bessere Ausbildung von Psychiatern für die Diagnostik von Verhaltensstörungen.
Agazade mahnte zu Früherziehung im Selbstschutz und hob die Rolle der Eltern bei der Prävention hervor. Sie warnte, gesellschaftliche Tabus hinderten Kinder oft daran, sich zu äußern, sodass Missbrauch unentdeckt bleibe.
Lernen aus internationalen Erfahrungen
Der Menschenrechtsaktivist Eldar Zeynalov erklärte, dass Kasachstan bereits chemische Kastration als Zusatzstrafe anwendet, meist sechs Monate vor Haftende und nach psychiatrischer Begutachtung. Obwohl dies als humane Maßnahme gilt, kann die Wirkung durch andere Medikamente aufgehoben werden — Gesetzgeber sollten daher westliche Erfahrungen prüfen, bevor sie ein Gesetz erlassen.
Laut Zeynalov hat die Berichterstattung über Kindesmissbrauch in den Medien in den letzten Jahren zugenommen; allein 2024 wurden in Aserbaidschan 1.279 Kinder von Müttern unter 18 geboren.
Aktuell fallen Sexualstraftaten gegen Minderjährige unter Artikel 152 des Strafgesetzbuchs von Aserbaidschan, der Haftstrafen ab drei Jahren vorsieht.
Sollte die verpflichtende chemische Kastration beschlossen werden, wäre dies eine der härtesten Maßnahmen gegen Sexualverbrechen in der Geschichte des Landes.
