Nach der Entscheidung Georgiens, die Dauer der Hochschulausbildung von sechs auf vier Jahre zu verkürzen – drei für den Bachelor und ein Jahr für den Master –, diskutieren aserbaidschanische Experten, ob ähnliche Reformen auch im eigenen Land möglich wären.
Bildungsexperte Elmin Nuri erklärte gegenüber Metbuat.az, dass viele Länder auf kürzere und praxisorientierte Studiengänge umstellen, um den modernen Anforderungen gerecht zu werden.
„Im 21. Jahrhundert – dem Zeitalter der künstlichen Intelligenz und fortschrittlicher Technologie – muss Bildung beweglicher und praxisbezogener werden. Der Übergang zur Verringerung theoretischer Überlastung und zur Erweiterung praktischer Erfahrung ist unvermeidlich“, sagte Nuri und wies darauf hin, dass selbst die Türkei über einen Wechsel von vier auf drei Jahre im Bachelorstudium nachdenkt.
„Theorie sollte der Praxis weichen“
Laut dem Experten werden auch die Universitäten Aserbaidschans letztlich diesen Weg einschlagen, doch müsse der Prozess vorsichtig und fachspezifisch umgesetzt werden.
„In Bereichen wie Ingenieurwesen, IT, Technologie und insbesondere Medizin ist es unmöglich, die Studiendauer zu verkürzen – diese Programme beruhen auf theoretischem und praktischem Wissen. Das optimale Modell für Aserbaidschan könnte ein ‘3+2’- oder ‘3+1’-System sein: drei Jahre Universitätsstudium, gefolgt von einem oder zwei Jahren beruflicher oder forschungsorientierter Ausbildung“, erklärte Nuri.
„Eine tiefgreifende Reform, keine schnelle Lösung“
Nuri betonte, dass selbst eine Verkürzung um ein Jahr eine vollständige Überarbeitung der Lehrpläne, Unterrichtsmethoden und Akkreditierungsstandards erfordern würde:
„Es geht nicht einfach darum, ein Jahr zu streichen. Der gesamte Bildungsprozess – vom Kursinhalt bis zu den Praxisphasen – müsste neu gestaltet werden, um die akademische Qualität zu erhalten und die Studierenden auf reale Herausforderungen vorzubereiten.“
Der Experte schloss mit der Feststellung, dass das Bildungssystem Aserbaidschans zwar noch nicht bereit für eine so drastische Veränderung sei, die Vorbereitungen für ein flexibleres, praxisorientiertes Hochschulmodell jedoch bereits jetzt beginnen sollten.
