Die historischen Vereinbarungen zwischen Aserbaidschan und Armenien, die in Washington getroffen wurden, haben erwartungsgemäß bei armenischen Chauvinisten Empörung ausgelöst. Noch vom Revanchismus getrieben, beschuldigen sie Ministerpräsident Nikol Paschinjan der „Verrats“, „Kapitulierung“ und „Gebietsabtretung“ — Vorwürfe, die vor allem die zerrüttete, vom Scheitern gezeichnete Weltsicht der Gegner eines Friedens mit Aserbaidschan offenlegen.
Vor dem Hintergrund dieser anti-“Washington” Hysterie setzt ein Teil der armenischen Opposition auf Verzweiflung, ein anderer bereitet sich auf den letzten, entscheidenden Schlag gegen die Regierung vor. Der inhaftierte Oligarch Samvel Karapetjan kündigte die Gründung einer neuen „politischen Bewegung“ mit „großen Plänen für Armenien“ an. Die revanchistischen Kreise, die von einer neuen Aggression gegen Aserbaidschan träumen, hoffen zugleich auf eine Wiederbelebung der „strategischen Allianz“ mit Russland — den Erhalt der russischen 102. Militärbasis in Gyumri und andere Schritte zur Reanimation des russischen Vorpostens in Armenien.
Hinter den Bestrebungen der friedensfeindlichen armenischen Opposition zeichnen sich deutlich die Bemühungen Russlands ab. Das russische Außenministerium legte bereits erste Argumente vor, die darauf abzielen, die Tragfähigkeit der in Washington unterzeichneten Dokumente in Frage zu stellen — darunter den mit US-Beteiligung vorgesehenen „Trump-Korridor“ (Zangezur-Korridor), der das Kern-Aserbaidschan mit Nachitschewan verbinden soll. Die Aussage des stellvertretenden Direktors der Informations- und Presseabteilung des russischen Außenministeriums, Alexej Fadejew, dass „die Mitgliedschaft Armeniens in der EAWU und die Präsenz russischer Grenzposten in der Region Syunik zu berücksichtigen seien“, ist als Druckmittel gegenüber Jerewan zu verstehen.
Um solchen „Empfehlungen“ Nachdruck zu verleihen, wird Moskau zweifellos politische Kräfte, die gegen Paschinjan stehen, im Vorfeld der Wahlen 2026 unterstützen. Ihre Wahlhilfe wäre der einzige Weg, die armenische Außenpolitik wieder prorussisch auszurichten — was unweigerlich den Versuch einer Unterminierung der Washington-Abkommen beinhalten würde. Hinzu kommt, dass ein Friedensvertrag zwischen Aserbaidschan und Armenien nur nach einer Verfassungsänderung in Armenien möglich ist, die territoriale Ansprüche gegen Aserbaidschan adressiert. Sollte die aktuelle Regierung planen, diesen Schritt nach den Wahlen zu gehen, hofft die prorussische Opposition, eine solche Verfassungsänderung zu verhindern, falls Paschinjan gestürzt wird.
Doch die subversive Wette Moskaus und der von ihm inspirierten armenischen Revanchisten ist strategisch kurzsichtig. Im Fall des Zangezur-Korridors sind nun die USA involviert — und zwar mit Wissen und Einwilligung beider souveräner Staaten, Aserbaidschan und Armenien, die allein über diese Verkehrsverbindung entscheiden dürfen. Der Schlüsselfaktor ist Aserbaidschan selbst: Nach dem Großen Sieg hat es seinen Status als regionale Macht gefestigt und setzt alles daran, Szenarien zu vereiteln, die diesen Status aushöhlen würden. Daher sind Versuche, Armenien wieder zu einem «Werkzeug» gegen Aserbaidschan zu machen, zum Scheitern verurteilt.
