von Vesti Baku
Der Immobilienmarkt in Aserbaidschan befindet sich in einer Wachstumsphase. Laut dem Ökonomen Emin Garibli ist der Preisanstieg kein kurzfristiger Effekt, sondern das Ergebnis kombinierter globaler und nationaler Faktoren.
Ein Beispiel: Eine Wohnung, die vor zehn Jahren 60.000 Manat kostete, wird heute für etwa 120.000 gehandelt.
Garibli nennt drei Hauptursachen. Erstens die globalen Trends: Nach den Krisen der 2000er Jahre und von 2008 suchten Investoren weltweit stabilere Anlageformen, was die Nachfrage nach Immobilien steigerte.
Zweitens: lokale Besonderheiten. Da der Kapitalmarkt in Aserbaidschan noch wenig entwickelt ist, investieren viele Bürger und Auslandsaserbaidschaner ihr Kapital in Wohnungen und Häuser.
Drittens: das begrenzte Angebot. Besonders in den zentralen Stadtteilen Bakus gibt es immer weniger Bauland, was die Preise weiter antreibt.
Hypothek und Finanzierung
Garibli betonte, dass Hypothekarkredite kein soziales Instrument, sondern ein Marktmechanismus seien. Solange das Kreditangebot begrenzt bleibt, werden die Zinssätze hoch bleiben. Für Haushalte mit stabilem Einkommen bleibt die Hypothek jedoch ein realistischer Weg zum Eigentum.
Risiken und Chancen
Hauptsächliche Risiken für den Sektor kommen aus dem Ausland. Die aserbaidschanische Wirtschaft hängt von Öl- und Gasexporten ab und reagiert empfindlich auf weltweite Preisschwankungen. Zudem werden viele Baumaterialien importiert, was Wechselkursschwankungen direkt auf die Projektkosten überträgt.
Garibli sieht dennoch großes Investitionspotenzial. Der Staat investiert stark in Infrastruktur, moderne Wohnanlagen und Verkehr, wodurch Baku für internationale Investoren attraktiver wird.
Er empfiehlt steuerliche Anreize und die Einrichtung von Sonderwirtschaftszonen in Küstenregionen wie Astara, Lankaran, Quba, Khachmaz und Nabran.
„Die Erfahrungen aus Antalya, Batumi und Scharm El-Scheich zeigen, dass Steuervergünstigungen und Tourismusentwicklung starke wirtschaftliche Impulse schaffen können“, erklärte er.
Legalisierung und Urbanisierung
Die Entscheidung, nicht registrierte Häuser zu legalisieren, bezeichnete Garibli als wichtigen sozialen und wirtschaftlichen Schritt. Eigentümer können ihre Immobilien nun als Sicherheiten nutzen, vermieten oder versichern, was die Liquidität der Wirtschaft stärkt.
Gleichzeitig warnte er, die Amnestie sei keine Einladung zu unkontrolliertem Bauen, sondern eine einmalige Maßnahme zur Ordnung.
Trotz weltweiter Trends zum Leben außerhalb der Städte bevorzugen viele Aserbaidschaner weiterhin Wohnungen im Stadtzentrum. Der geplante Vorortzug bis 2030 könnte jedoch das Umland des Abscheron attraktiver machen.
Private Bauträger sind bereits in Orten wie Vishnevka, Mashtaga und Shagan aktiv. Diese Gebiete könnten laut Garibli ein Gleichgewicht zwischen erschwinglichen Preisen und Rendite bieten.
Immobilien bleiben das wichtigste Anlageinstrument, doch künftig werden Dokumentation, Bauqualität, Verkehrsanbindung und Stadtentwicklung entscheidende Faktoren für den Quadratmeterpreis sein.
