Exporte legen zu
Nach Angaben des Zollkomitees exportierte Aserbaidschan zwischen Januar und Juni 2025 über 69.000 Tonnen Kartoffeln – mehr als 43 % mehr als im Vorjahr. Der Exportwert stieg um 7 Mio. USD auf 27,4 Mio. USD.
Im Jahr 2024 betrug die Gesamtproduktion 927.000 Tonnen, davon wurden 48.300 Tonnen exportiert. Gleichzeitig importierte das Land rund 149.000 Tonnen, vor allem aus Iran (66.000 t), Georgien (24.000 t) und der Türkei (10.000 t).
Der Inlandsverbrauch liegt bei etwa 840.000–845.000 Tonnen jährlich. Das macht den Markt anfällig für Schwankungen von Angebot und Nachfrage.
Steigende Kosten für Landwirte
Landwirte berichten, dass die Produktionskosten massiv gestiegen sind und Gewinne schmälern.
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Pachtkosten verdoppelten sich: von 500–600 auf 1.000–1.200 AZN pro Hektar.
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Düngemittel (Nitroammophoska) stiegen von 11,5 auf 40 AZN pro Sack.
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Löhne für Saisonarbeiter kletterten von 15 auf 25–30 AZN pro Tag.
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Auch Verpackung und Bewässerung wurden teurer.
Bauer Elman Mansurov sagte gegenüber Kaspi.az: „Einige Sorten bringen bis zu 40 Tonnen pro Hektar. Aber die Produktionskosten liegen bei 12–13.000 AZN pro Tonne. Wenn der Großhandelspreis auf 0,60 Manat/kg fällt, bleibt nur ein Gewinn von 2–3.000 AZN pro Hektar.“
Abhängigkeit vom Export, volatile Preise
Vor allem Russland ist ein Schlüsselmarkt. Dort sind aserbaidschanische Kartoffeln gefragt, doch gestiegene Logistik- und Zollkosten sowie Handelsstörungen führen zu Überschüssen im Inland. In der Folge können die Preise auf 0,35–0,40 Manat/kg einbrechen.
Schwächen bei Lagerung und Verteilung
Ökonom Akif Nasirli sieht den Kern des Problems in der fehlenden Lagerinfrastruktur: „Im Frühjahr und Herbst gibt es ein Überangebot, aber im Winter verschwinden die lokalen Kartoffeln fast völlig, und bis zu 70 % des Angebots stammt aus Importen.“ Regionale Kühlhäuser könnten die Versorgung besser über das Jahr verteilen.
Export zuerst, Inlandsmarkt später
Laut Agrar-Experte Mircavid Hasanov gelten aserbaidschanische Kartoffeln in Russland als Premium-Produkt. „Die Inlandsnachfrage könnte vollständig gedeckt werden, wenn Exporte gedrosselt würden. In der Praxis aber haben Exporte Vorrang, und der Binnenmarkt kommt an zweiter Stelle“, sagte er.
