Von Januar bis Juli 2025 exportierte Aserbaidschan 14,47 Millionen Tonnen Öl in 19 Länder. Doch die Schlagzeile ist paradox: Die Mengen gingen nur um 1,5 % gegenüber dem Vorjahr zurück, die Einnahmen stürzten jedoch um 17 % ab — ein Hinweis darauf, dass der Preis wichtiger ist als die Barrel-Zahl.
Italien bleibt mit Abstand der größte Kunde und nahm 8,4 Millionen Tonnen ab — ein Plus von 49 %, das mehr als die Hälfte der Gesamtexporte Aserbaidschans ausmacht. Doch selbst dieser Anstieg führte nur zu einem Umsatzplus von 23 %, was das niedrigere globale Preisniveau unterstreicht.
Rumänien (+58 %) und Deutschland (+25 %) erhöhten ebenfalls ihre Importe, während die Niederlande ein solides Plus von 32 % verzeichneten. Das Vereinigte Königreich dagegen kürzte seine Käufe um fast ein Drittel, wodurch die Einnahmen nahezu halbiert wurden. Frankreich, Kroatien und Portugal mussten trotz stabiler oder wachsender Volumen zweistellige Wertverluste hinnehmen.
Einige Absatzmärkte verschwanden nahezu. Die Lieferungen nach Thailand sanken um 63 %, nach Indonesien um 38 % und nach Tunesien um 51 %. Neue oder seltene Käufer wie die Schweiz, Dänemark, Bulgarien und Österreich nahmen geringe Mengen ab, konnten das Gleichgewicht aber nicht verändern.
Ein auffälliger Ausreißer ist die Türkei: Ihre Importe sprangen auf das Fünffache, wenn auch von einer kleinen Basis aus, was sowohl die geografische Nähe als auch die wachsende Rolle Ankaras als Energie-Drehkreuz widerspiegelt.
Das Gesamtbild verdeutlicht eine strukturelle Herausforderung: Aserbaidschan kann die Mengen steigern — wie Italien zeigt —, doch wenn die Preise fallen, leidet der Staatshaushalt. Mit Öleinnahmen weiterhin als Rückgrat der öffentlichen Finanzen ist der Rückgang der Erlöse um 17 % im Jahresvergleich ein schärferes Warnsignal als das moderate Minus bei den Tonnen.
