Aserbaidschans Zentralbank ändert Regeln: Ende der „Zinsfalle“?

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Die Zentralbank Aserbaidschans (ZBA) hat die Vorschriften für Verbraucherkreditkarten geändert. Laut offiziellem Statement des Regulators zielen die Maßnahmen auf verantwortungsvollere und nachhaltigere Kreditvergabe ab, sollen Überschuldung der Bevölkerung verhindern und die Kapitalstabilität des Bankensystems stärken.

Darüber berichtete auch das Parlamentsmitglied Vugar Bayramov (Ausschuss für Wirtschaftspolitik, Industrie und Unternehmertum) auf Facebook. Seiner Ansicht nach ist einer der Gründe für den Anstieg fauler Konsumentenkredite die Vergabe von Kreditlinien, die nicht der Zahlungsfähigkeit der Kunden entsprechen, sowie die Berechnung überzogener Strafzinsen.

„Im Januar betrug das Volumen notleidender Kredite 475 Millionen Manat, zur Jahresmitte waren es bereits 527 Millionen. Das ist ein Anstieg von über 10 Prozent in sechs Monaten. Gleichzeitig wuchs das gesamte Kreditportfolio nur von 24,89 Mrd. auf 25,99 Mrd. Manat (+4,4 %). Problemkredite wachsen also schneller als das Gesamtportfolio – keine gute Entwicklung für den Bankensektor. Auch die Verschuldungsquote der Haushalte steigt. Das zeigt, dass neue Kriterien bei der Vergabe von Kreditlinien nötig sind“, so Bayramov.

Nach den neuen Regeln ist die Kreditkartenlinie auf das Fünffache des Nettogehalts (nach Steuern) des Antragstellers begrenzt. Wer netto 1.000 Manat verdient, bekommt also maximal 5.000 Manat Kreditlimit. Dabei werden auch andere laufende Verbindlichkeiten berücksichtigt.

Ausgenommen sind Kreditlinien, die durch Bargeld oder Edelmetalle gedeckt sind – für diese gilt die Begrenzung nicht.

Außerdem darf das Gesamtvolumen der unbesicherten Verbraucherkreditlinien, die über dem Limit liegen, 1 % des Kernkapitals der Bank nicht überschreiten.

Gleichzeitig gilt: Überziehungsrahmen zählen jetzt als Kreditlinie, der Konvertierungsfaktor für Kreditkarten wird auf 40 % festgesetzt. Solche Kreditlinien stehen derzeit noch außerhalb der Bilanz, werden aber mit 100 % Risiko bewertet.

„Beim Überziehungsdienst kann der Karteninhaber mehr ausgeben, als auf dem Konto ist. Einige Banken nutzen dies, um den Kunden mit hohen Zinsen übermäßig zu belasten. Hier ist weitere Regulierung dringend notwendig“, so Bayramov.

Bayramov begrüßt die neuen Anforderungen der Zentralbank, da sie die Überschuldung der Bevölkerung begrenzen.
Allerdings bleibe „eine weitergehende Regulierung weiterhin prioritär“, so der Abgeordnete.

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