Tomaten und Gurken, Grundbestandteile jedes aserbaidschanischen Tisches, sind plötzlich zum Thema hitziger Gespräche in den Supermärkten und Basaren der Hauptstadt geworden. Was früher kleine Gespräche über Frische und Geschmack waren, hat sich in Beschwerden über Kosten verwandelt, da die Preise viel stärker gestiegen sind als in früheren Herbsten.
Wetter und Versorgungslücken
Der Landwirt Eldar Huseynov erklärte gegenüber der Zeitung Kaspiy, der Anstieg hänge mit starken Regenfällen im Norden zusammen: „Felder in Khachmaz wurden überflutet, und die Gewächshausernten sind bereits vorbei. Neue Ernten sind noch nicht bereit, daher gibt es eine Versorgungslücke. Bei Gurken hat das trübe Wetter die Produktivität beeinträchtigt. Diese Pflanze braucht Sonne.“
Er warnte, dass die hohen Preise bis Ende November anhalten könnten, auch wenn Ernten aus Shamkir und Salyan die Engpässe etwas lindern könnten.
Strukturelle Faktoren und versteckte Kosten
Laut Nahid Azizli, Dozent an der Staatlichen Universität Lankaran, hängt der Trend auch mit strukturellen Belastungen zusammen: Energiekosten für die Beheizung von Gewächshäusern, steigende Düngemittelpreise, Transportkosten und die wachsenden Tomatenexporte Aserbaidschans.
„In einigen Fällen treibt die Großhandels–Einzelhandelskette die Preise künstlich in die Höhe. Bauern verkaufen billig, aber bis die Produkte die Stände in Baku erreichen, sind die Preise zwei- bis dreimal so hoch“, bemerkte er.
Saisonal und spekulativ
Experten sind sich einig, dass ein Großteil des Anstiegs saisonal bedingt ist, aber spekulative Aufschläge ebenfalls eine Rolle spielen. Engpässe geben Händlern Spielraum, die Preise nach oben zu treiben.
Was getan werden kann
Ökonomen schlagen vor, saisonale Importe zu erleichtern, Energiezuschüsse für Gewächshausbauern bereitzustellen und die Marktaufsicht zu verschärfen, um Spekulationen einzudämmen. Kurzfristig könnten die Preise mit neuen Ernten sinken. Doch langfristige Stabilität hängt von Investitionen in moderne Gewächshäuser, Tröpfchenbewässerung und Logistikinfrastruktur ab.
