In einem ausführlichen Interview im YouTube-Podcast von Dmitry Migachyov argumentierte die bekannte russische Politikwissenschaftlerin und Kommentatorin Karine Gevorgyan, dass das Hauptziel des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump nicht darin bestehe, den Krieg in der Ukraine zu beenden, sondern die Macht der USA im Inland neu zu gestalten und Europa so zu steuern, dass die USA “kein Gesicht verlieren.”
Sie sagte, der Konflikt könne “10–15 Jahre” dauern und beschrieb Russlands Ziele als die Sicherung der Kontrolle über die gesamte Nordküste des Schwarzen Meeres, einschließlich Odessa, um langfristige Sicherheit zu gewährleisten. Hochrangige US–Russland-Kontakte seien ihrer Ansicht nach weitgehend Theater, das nur begrenzte operative Abkommen – etwa Weltraumkooperation oder Arktisfragen – hervorbringen könne, aber keine strategischen Durchbrüche. Trump sei durch einen feindlichen Teil des Washingtoner Establishments eingeschränkt und könne das Außenministerium oder das Pentagon nicht vollständig lenken.
Zum Thema Ukraine erklärte sie, der Westen habe Russlands Absicht und Kapazität falsch eingeschätzt, und sagte voraus, dass die “heißeste Phase” bis zum Neujahr ihren Höhepunkt erreichen könne, während die breitere Konfrontation sich über Jahre hinziehen könne, da Russland methodisch Einfluss aufbaue. Sie brachte auch das Risiko baltischer Provokationen ins Spiel, betonte jedoch, dass ein größerer Krieg dort nicht im Interesse Moskaus liege.
Gevorgyan wies die Vorstellung zurück, dass Sanktionen entscheidende Veränderungen erzwingen könnten, und sagte, Staaten lernten, diese zu umgehen. Sie stellte sich eine Nachkriegszukunft der “Nicht-Dominanz” vor – multipolare Interaktion anstelle von Blöcken – und schlug vor, dass ein pragmatisches Tauwetter mit ausgewählten europäischen Hauptstädten möglich sei, während die Beziehungen zu China und Indien fortgesetzt würden.
Ihr Argument stützte sich stark auf zivilisatorische Sprache – Russland “erinnert sich an sich selbst,” stärkt das Selbstvertrauen im Innern und lehnt einen “zweitrangigen” Status ab – und forderte gleichzeitig demografische Erneuerung und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Bemerkenswerte Zitate (zugeschrieben):
Über Trumps Prioritäten: “Er will jeden Gesichtsverlust vermeiden, damit Amerika der ‘Vorsitzende der Welt’ bleibt.”
Über die Ukraine: “Für die Sicherheit Russlands brauchen wir ernsthafte Kontrolle über die gesamte Nordküste des Schwarzen Meeres, einschließlich Odessa.”
Über Zeitrahmen: “Diese Operation könnte 10–15 Jahre dauern… Russland führt lange Kriege an seinem eigenen Sicherheitsperimeter.”
Über den Westen: “Die Interessen der EU setzten darauf, ‘auf Amerikas Rücken zu reiten’; Großbritannien führte einen Großteil der Arbeit im postsowjetischen Raum aus.”
Über die Zukunft: “Die kommende Ära sollte eine ohne Dominanz sein – eine Ära der Interaktion.”
