Über Nacht wurde Kiew erneut mit Raketen und Drohnen angegriffen. Eine Rakete schlug in der Nähe der aserbaidschanischen Botschaft ein, zerstörte Fenster und beschädigte das Dach des Konsulats. Verletzte gab es keine, bestätigte Außenamtssprecher Aykhan Hadschizade.
Für einige Beobachter war dies mehr als ein Zufall. Der ukrainische Kommentator Denys Kazansky beschuldigte Moskau direkt:
„Heute Nacht griff Russland die aserbaidschanische Botschaft in Kiew an — knapp verfehlt. Zuvor bombardierten sie aserbaidschanische Öldepots. Jetzt gehen sie zu offenen Terroranschlägen gegen Botschaften über.“
Experten: Ein Druckmuster
Die russische Analystin Olga Kurnosova, Chefredakteurin von After Empire, erklärte, der Vorfall füge sich in ein größeres Muster ein:
„Zusammen mit den Angriffen auf SOCAR-Anlagen in der Ukraine und der Festnahme von Mamadali Agayev in Moskau ergibt sich ein klares Bild fortgesetzten Drucks auf Baku.“
Sie wies auf das Timing hin: Sowohl Präsident Ilham Aliyev als auch Wladimir Putin werden am 3. September beim Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit in China erwartet. Ob Putin frühere Taten — einschließlich des Abschusses eines aserbaidschanischen Passagierflugzeugs — einräumt, bleibt offen.
„Das Kernproblem ist, dass Putin nie Fehler zugibt. Solange das so bleibt, wird der hybride Krieg weitergehen“, sagte sie.
„Demonstration von Bosheit“
Der aserbaidschanische Abgeordnete und Politologe Rasim Musabekov ging noch weiter und bezeichnete gegenüber Media.Az den Angriff als Teil einer Einschüchterungskampagne:
„Das ist nicht der erste Fall. In Charkiw wurde bereits das aserbaidschanische Konsulat getroffen. Auch SOCAR-Anlagen wurden attackiert. Ich sehe darin eine Demonstration von Bosheit — ein Versuch, andere postsowjetische Republiken, die sich von Russland distanzieren, einzuschüchtern. Es ist das Verhalten einer von der Welt isolierten Führung.“
Musabekov betonte, dass Moskaus Taktiken scheitern werden:
„Aserbaidschan hat durch Präsident Aliyev seine Position klar gemacht. Weder Druck auf unsere Diaspora noch Angriffe auf unser Eigentum in der Ukraine werden Baku dazu bringen, sich vor dem Kreml zu beugen.“
Oder nur zielloser Terror?
Nicht alle Experten sehen ein gezieltes Vorgehen. Der russische Politologe Vladislav Inozemtsev meinte, die Schäden könnten zufällig sein:
„Das sind wahllose Terrorangriffe auf Kiew, um zu zeigen, dass Russland nicht aufhört, bis die Ukraine nachgibt. Ich bezweifle, dass es eine präzise Absicht gab, die Botschaft Aserbaidschans oder die EU-Mission zu treffen. In diesem Fall waren es Zufallstreffer — reiner Terror ohne exaktes Ziel.“
Zwischen Diplomatie und Hybridkrieg
Der Vorfall unterstreicht die Doppeldeutigkeit von Moskaus Haltung gegenüber Aserbaidschan: einerseits Glückwunschschreiben Putins an Mehriban Aliyeva und Wirtschaftstreffen; andererseits Bomben gegen aserbaidschanisches Eigentum und Festnahmen in Russland.
Ob gezielte hybride Kriegsführung oder bloßer Terrorüberhang — die Botschaft ist eindeutig: Aserbaidschans Souveränität und Vermögen sind in Moskaus Druckkrieg zunehmend gefährdet.
