In Baku und den umliegenden Siedlungen ist heute eine bemerkenswerte Tendenz zu beobachten: Fast drei von fünf Gewerbeflächen sind entweder Vorbereitungskurse oder psychologische Zentren. Straßen, die früher von Geschäften und gemütlichen Cafés geprägt waren, sind nun übersät mit Schildern wie „Vorbereitungskurse“, „Psychologische Unterstützung“, „Kinderentwicklungszentrum“, „Bildungszentrum“. Ein anschauliches Beispiel ist die kleine Siedlung Masazyr im Rayon Absheron, wo auf zehn Gebäude acht Vorbereitungskurse und fünf psychologische Zentren entfallen.
Dieses Phänomen wirft die Frage auf: Gibt es im Land wirklich so viele Menschen, die lernen wollen oder psychologische Probleme haben?
Der Bildungsexperte Boyukhan Babaev erklärte, dass diese Situation ein logisches Spiegelbild der modernen Realität sei. Seiner Meinung nach ist die große Nachfrage nach Vorbereitungskursen auf die erhebliche Diskrepanz zwischen dem Schulprogramm und dem Format der Aufnahmeprüfungen zurückzuführen, was einen scharfen Wettbewerb im Bereich der Zusatzbildung ausgelöst hat.
„Auf der anderen Seite hat das Bedürfnis nach Kinderaufsicht und die Notwendigkeit, Bewerber beim Übergang an die Universitäten zu unterstützen, die Zahl derjenigen erhöht, die psychologische Zentren aufsuchen. Infolgedessen ist die Anzahl solcher Einrichtungen gestiegen“, betonte er.
Branchenexperten verweisen auch auf den wirtschaftlichen Aspekt. Die Eröffnung von Vorbereitungskursen oder psychologischen Zentren erfordert wesentlich geringere Anfangsinvestitionen im Vergleich zur Gastronomie oder zum Einzelhandel. Für den Start genügen ein kleines Büro, einige qualifizierte Fachkräfte und eine Mindestausstattung. Wichtig ist auch, dass der Zustrom von Kunden stabil bleibt, solange Bildungsprobleme und Lebensstress bestehen.
Die aktuelle Situation zeigt deutlich: Ohne systemische Veränderungen im Bildungswesen und bei anhaltend hohem sozialen Stress werden gesellschaftliche Probleme weiterhin in profitable Geschäftsmodelle verwandelt, und psychologische Unterstützung, „an jeder Ecke“ verfügbar, wird zu einem festen Bestandteil des Stadtbildes.
