Großbritannien hat seine Beziehungen zu Aserbaidschan offiziell auf die Ebene einer „strategischen Partnerschaft“ gehoben. Die Ankündigung kam von Stephen Doughty, dem britischen Minister für Europa, Nordamerika und die Überseegebiete, während seines Besuchs in Baku.
Doch jenseits der Schlagzeilen fragen Analysten, ob der Schritt einen echten Politikwechsel bedeutet oder lediglich die bestehende Zusammenarbeit formalisiert. Farhad Mammadov, Leiter des Zentrums für Südkaukasus-Studien, sagte gegenüber Minval Politika, dass London seit den frühen 1990er-Jahren in der Region präsent sei, jedoch fast ausschließlich über Aserbaidschan. Anders als Georgien, das unter Michail Saakaschwili formell eine euro-atlantische Integration verfolgte, drehte sich Bakus Beziehung zu Großbritannien seit langem um Energieprojekte und sektorspezifische Kooperation.
„Im Grunde genommen beschreibt die britische Erklärung nur das, was bereits existiert“, sagte Mammadov. „Bei anderen europäischen Ländern kommen zuerst die Erklärungen und dann die Projekte. Bei Großbritannien gibt es die Projekte schon seit Jahren — vor allem im Energiesektor.“
Über BP Hinaus
Der Analyst betonte, dass der Energiesektor ein gesättigter Bereich sei, dominiert von BP, dessen Anteilseigner größtenteils Amerikaner sind. „Im Energiebereich ist das Maximum erreicht“, merkte er an und verwies auf die Notwendigkeit, dass Großbritannien in andere Sektoren expandiert.
Chancen sieht er in Handelsabkommen, Versicherungsdienstleistungen, Logistik und Nicht-Öl-Exporten. London bleibt ein globales Zentrum für Versicherungen, ein entscheidendes Element für die Transportsicherheit. Außerhalb der Europäischen Union hat Großbritannien zudem mehr Freiheit, bilaterale Abkommen zu schließen.
Eine Rolle in Nicht-Öl-Sektoren
Laut Mammadov benötigt Aserbaidschan Zugang zu neuen Exportmärkten jenseits von Öl und Gas. Das Vereinigte Königreich könnte eine Rolle bei der Entwicklung der Nicht-Öl-Wirtschaft spielen, von Technologietransfer bis zu Investitionen. Doch dafür braucht es mehr als Rhetorik.
„Bisher haben wir von der britischen Botschaft wenig gehört, außer routinemäßigen Phrasen auf Aserbaidschanisch und Energie-Rhetorik“, sagte er. „Wenn das Niveau der Beziehungen erhöht wird, dann sollte man das auch in anderen Bereichen spüren — Technologie, Nicht-Öl-Industrie, Versicherungen, Investitionen.“
Hohe Erwartungen
Mammadov beschrieb Großbritannien und die Vereinigten Staaten als einen eigenen Block innerhalb des Westens mit einer eigenen Agenda. Bislang beschränkt sich das britische Beispiel in Aserbaidschan auf Energie. Doch die Erwartungen in Baku sind weitaus größer — besonders im Bereich erneuerbare Energien, Technologie und Handel.
„Wenn Großbritannien sich für Freihandel entscheidet und seine Märkte öffnet, wird es nicht nur seine eigene Rolle stärken, sondern auch ein Beispiel für andere westliche Länder setzen“, schloss er.
