Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass 96 Prozent der KI-Nutzer in Aserbaidschan ChatGPT wählen, während Rivalen wie Gemini und Claude nur einen kleinen Marktanteil haben.
Der KI-Spezialist Ahad Dadashov erklärte gegenüber Bizim.Media, dass das Phänomen über die technischen Fähigkeiten hinausgehe. Er verwies auf psychologische Faktoren, darunter Vertrauen und emotionale Bindung: „Viele Nutzer fühlen sich emotional mit der Anwendung verbunden, sie vertrauen ihr. Trotz der Warnungen, keine persönlichen Daten zu teilen, wird ChatGPT als Freund wahrgenommen. Die Menschen erleben den Effekt einer freundschaftlichen Kommunikation, die Abhängigkeit schaffen kann“, sagte er.
Dadashov erinnerte an einen Fall, bei dem ein Nutzer, der um seine verstorbene Frau trauerte, erklärte, dass die aufrichtigsten Beileidsbekundungen und die praktischsten Ratschläge nicht von Menschen, sondern von ChatGPT kamen. „In solchen Situationen wird ChatGPT mehr als nur ein Programm — es wird zu einem virtuellen Partner und Psychologen“, betonte der Experte.
Auch die Markenbekanntheit spielte eine wichtige Rolle. Als die globale „KI-Welle“ Aserbaidschan erreichte, war ChatGPT der erste, der sich im öffentlichen Bewusstsein etablierte, während die Konkurrenten weniger bekannt blieben.
Ein weiterer Faktor ist die sprachliche Anpassungsfähigkeit. ChatGPT kann sich natürlich auf Aserbaidschanisch verständigen, Witze machen, Emotionen ausdrücken und sich dem Stil des Nutzers anpassen — Eigenschaften, die seinen Konkurrenten, die meist auf Englisch optimiert sind, noch fehlen. Diese lokale Vertrautheit, so Dadashov, lasse ChatGPT den aserbaidschanischen Nutzern näher erscheinen.
