In jüngster Zeit beobachten die Bewohner der Küstenregionen des Kaspischen Meeres mit wachsender Sorge einen deutlichen Trend: Der Pegel des größten Binnengewässers der Erde sinkt rapide. Videos, die in sozialen Netzwerken kursieren, bestätigen das Ausmaß des Problems. Besonders auffällig ist der Rückgang an der Küste des Dorfes Novkhany in der Region Absheron, wo sich das Wasser um bis zu 50 Meter von der ursprünglichen Uferlinie entfernt hat.
Amir Alijew, Leiter einer Fachabteilung am Institut für Geographie der Nationalen Akademie der Wissenschaften Aserbaidschans, legte ernüchternde Zahlen vor:
„Seit 1995 ist der Pegel des Kaspischen Meeres um mehr als zwei Meter gefallen. Hauptursache ist die Veränderung der Wasserbilanz: Die Zuflüsse, insbesondere der Wolga und des Urals, sind um rund 30 % zurückgegangen.“
Der Experte betonte, dass selbst kleinste Veränderungen gravierende Folgen haben:
„Ein Rückgang des Kaspischen Meeres um nur 1 cm bedeutet, dass rund 200 Hektar Land freigelegt werden.“ Der sinkende Wasserstand ist derzeit entlang der gesamten aserbaidschanischen Küste zu beobachten.
Gleichzeitig erinnerte Alijew daran, dass solche Schwankungen Teil der geologischen Geschichte des Meeres sind:
„Solche Anstiege und Rückgänge hat es immer gegeben. Man könnte sagen, das ist so etwas wie der ‚Ausweis des Kaspischen Meeres‘.“
Unterdessen hat die Staatliche Wasserressourcen-Agentur reagiert und ein umfassendes Programm zur ökologischen Überwachung der Kaspischen See entwickelt. Aktuell werden Maßnahmen ergriffen, um die negativen Folgen der Verflachung zu erforschen und zu minimieren.
