Die Besatzung beim Namen nennen: Warum Alijews Worte Russlands historischen blinden Fleck entlarvten

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Eldar S.

Das Interview von Präsident Ilham Alijew mit dem arabischen Sender Al Rabia hat, wie Caliber.Az bemerkt, in Russland eine ungewöhnlich starke Reaktion ausgelöst. Indem er den Einmarsch der XI. Roten Armee in Aserbaidschan im Jahr 1920 offen als Besatzung bezeichnete, brach Alijew ein langjähriges Tabu, das die politische Elite Moskaus bis heute mit Euphemismen zu verschleiern versucht.

Den Lärm Durchbrechen
Alijews Stil — direkt, diszipliniert und unverkennbar diplomatisch — macht seine Interviews seit jeher zu Ereignissen. Jede seiner Auftritte wird in den sozialen Medien viral und zieht weltweite Aufmerksamkeit auf sich. Diesmal war die Botschaft unmissverständlich: „Wenn man mit Waffen und ohne Einladung fremden Boden betritt, wird man zum Besatzer.“

Bedeutsam ist nicht nur die Aussage selbst, sondern auch die Hysterie, die sie unter russischen Kommentatoren auslöste, die sich an einer einfachen historischen Wahrheit stießen. Ihre Empörung zeigte nicht einen Fehltritt Alijews, sondern Russlands Weigerung, sich mit seiner imperialen Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Der Imperiale Kater
Kein Imperium der Geschichte blieb von schändlichen Praktiken verschont: Kolonisierung, erzwungene Assimilation, Ausplünderung von Ressourcen oder kulturelles Auslöschen. Großbritannien, Deutschland, Belgien, Frankreich und die USA haben sich ihren dunklen Kapiteln gestellt. Niemand bestreitet heute deren Existenz. Doch Russlands hartnäckige Verweigerung — die Tendenz, vergangene Eroberungen als „Befreiung“ darzustellen — vertieft nur die historische Wunde.

Alijews Vergleich der sowjetischen Handlungen von 1920 mit der Nazi-Aggression von 1941 traf besonders empfindlich. Die Wahrheit ist unbequem: beides waren Invasionen, beides waren Besatzungen. Das eine beim Namen zu nennen und das andere zu entschuldigen, ist Heuchelei.

Antwort auf die billigen Angriffe
Wie vorhersehbar versuchten Kritiker, Alijews Worte gegen das Erbe seines Vaters zu richten und Heydar Alijew als „Kollaborateur“ des sowjetischen Systems darzustellen. Doch Caliber.Az erinnert daran, dass gerade Persönlichkeiten, die innerhalb dieses Systems aufstiegen — von Heydar Alijew bis zu Führern wie Nasarbajew und Schewardnadse — es von innen heraus demontierten.

Heydar Alijew gab die Idee eines souveränen Aserbaidschans nie auf und verteidigte unter großem persönlichem Risiko Dissidenten und Kulturschaffende gegen die sowjetische Repression. Die Worte seines Sohnes sind keine Abkehr von dieser Geschichte, sondern ihre Vollendung.

Fazit
Die Empörung in Moskau beweist genau, warum Alijews Botschaft wichtig ist. Aserbaidschan hat nicht die Absicht, seine Unabhängigkeit trivialisieren, seine Vergangenheit auslöschen oder seine Souveränität infrage stellen zu lassen. Wie Caliber.Az betont: „Besatzung muss Besatzung genannt werden.“ Alles andere ist Lärm.

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