Empörung in Aserbaidschan: “Kinder werden zu Opfern der sozialen Medien”

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In den letzten Tagen sind in aserbaidschanischen sozialen Netzwerken Videos viral gegangen, die minderjährige Kinder in unangemessenen Tänzen und Dialogen zeigen. Sie haben Empörung ausgelöst und Rufe nach dringendem Handeln laut werden lassen. Was viele Nutzer als „Unterhaltung“ betrachten, sehen Experten zunehmend als klare Ausbeutung von Kindern für Klicks und Likes.

Aufnahmen zeigen Kinder, die obszöne Bewegungen als Tanz ausgeben oder in gestellte Gespräche verwickelt werden, die weit über ihrem Alter liegen. Experten warnen: Das verletzt nicht nur die Rechte von Kindern, sondern normalisiert auch ihre Objektifizierung für Online-Popularität.

Rechtliche Bedenken

Der Anwalt Emil Aslanov sagte gegenüber Oxu.az, dass solche Videos die Gesetze Aserbaidschans direkt verletzen können. Laut Verfassung dürfen Kinder nicht in Tätigkeiten einbezogen werden, die ihrer Gesundheit, Entwicklung oder Bildung schaden. „Werden Kinder unter 15 Jahren für solche Inhalte eingesetzt, handelt es sich um illegale Arbeit“, betonte Aslanov und wies darauf hin, dass gegen juristische Personen Geldstrafen von bis zu 5.000 Manat verhängt werden können.

Reaktion des Staates

Das Staatskomitee für Familien-, Frauen- und Kinderangelegenheiten erklärte, dass solche Inhalte die Werte von Kindern verfälschen, schädliche Verhaltensmuster fördern und sogar Traumata verursachen können. „Das Teilen unethischer Kinder-Videos ebnet den Weg für Ausbeutung und birgt in manchen Fällen das Risiko, Pädophilie zu fördern“, hieß es in der Stellungnahme.

Psychologische Risiken

Die Psychologin Ruhiya Rustamova hob die langfristigen Schäden hervor:
„Kinder ahmen nach, was sie online sehen. Sie knüpfen ihr Selbstwertgefühl an Likes und Kommentare, was emotionale Abhängigkeit und geringes Selbstbewusstsein fördert. Das kann im Erwachsenenalter tiefe seelische Verletzungen hinterlassen. Eltern müssen das digitale Leben ihrer Kinder aktiv begleiten und ihnen einen sicheren, gesunden Medienumgang vermitteln.“

Auch das Büro des Ombudsmanns erinnerte daran, dass die Würde und Privatsphäre von Kindern immer Vorrang haben müssen: „Kein Inhalt darf jemals die Sicherheit oder die Grundrechte eines Kindes gefährden.“

Es geht hier nicht nur um Trends in sozialen Medien — sondern um eine ganze Generation in Gefahr. Kinder für Klicks zu instrumentalisieren ist kein harmloser Spaß, sondern Ausbeutung, der sich die Gesellschaft stellen muss.

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