In Aserbaidschan kommt es immer noch vor, dass Eltern ihre minderjährigen Töchter verloben, besonders in ländlichen Gebieten. Diese Praxis entzieht Mädchen nicht nur ihr Recht auf Bildung, sondern schadet auch massiv ihrer Zukunft.
Nach aserbaidschanischem Recht liegt das Mindestalter für die Eheschließung bei 18 Jahren. Dennoch vereinbaren manche Familien, vor allem bei Mädchen, Ehen noch vor der Pubertät und verschieben die offizielle Registrierung bis zur Volljährigkeit.
Maßnahmen gegen Eltern
Zulfiya Sadig vom Staatlichen Komitee für Familien-, Frauen- und Kinderfragen erklärte, dass in den letzten Jahren die gesetzlichen Vorschriften verschärft und Aufklärungsmaßnahmen ausgeweitet wurden.
„Mit den Änderungen, die am 28. Juni letzten Jahres verabschiedet und am 1. Juli 2025 in Kraft getreten sind, wurden alle Ausnahmen zur Senkung des Heiratsalters abgeschafft. Die Organisation und Durchführung von Verlobungen, Hochzeiten und religiösen Trauungen für Personen unter 16 Jahren sowie die Teilnahme daran führen nun zu strafrechtlicher und administrativer Verantwortung. Betroffen sind nicht nur die Eltern, sondern auch volljährige Zustimmende, beteiligte Geistliche und sogar juristische Personen“, sagte sie.
In den ersten sechs Monaten dieses Jahres führte das Komitee 22 Außeneinsätze durch und verhinderte dabei 18 Fälle von Frühehen.
„Das Komitee setzt auch Projekte um, die den Bildungszugang für Mädchen verbessern. Seit 2021 haben 93 Studentinnen vom Hanifa-Malikova-Zardabi-Stipendienprogramm profitiert, das gemeinsam mit dem Ministerium für Wissenschaft und Bildung und dem Bildungsentwicklungsfonds durchgeführt wird. Zudem wurden im Rahmen des Projekts ‘Wir haben einen Traum’, in Zusammenarbeit mit der Kapital Bank, 15 Studienanwärterinnen unterstützt“, so Sadig.
Sie appellierte an die Eltern:
„Die Bekämpfung von Frühehen ist nicht nur Aufgabe staatlicher Institutionen, sondern der gesamten Gesellschaft. Ablehnung solcher Ehen sollte nicht aus Angst vor Strafe erfolgen, sondern als kulturelle und rechtliche Norm verstanden werden.“
