Das Problem illegaler Bauten in Baku spitzt sich weiter zu. Experten warnen: Während einige Häuser noch legalisiert werden können, ist der Prozess für die meisten inzwischen nahezu unmöglich. Am stärksten vom Abriss bedroht sind Gebäude in gefährlichen oder verbotenen Gebieten — die Besitzer solcher Häuser können kaum auf staatliche Entschädigung hoffen.
Immobilienexperte Mülkadar Rustamov erklärt:
“Für Häuser, die vor 2007 mit Gemeindedokumenten gebaut wurden, stehen die Chancen auf Legalisierung relativ gut. Bei später gebauten Häusern wird einzeln geprüft.”
Der wichtigste Faktor ist der Standort. Häuser auf Ölfeldern, in staatlich geschützten Zonen, auf militärischem oder industriellem Gelände — inklusive Grundstücken entlang von Bahnstrecken oder in der Nähe von Militäreinrichtungen — können unter keinen Umständen legalisiert werden.
Besonders gravierende Fälle gibt es in den Bezirken Darnagul und Binagadi, wo viele Häuser in Bahnsicherheitszonen oder auf illegal beschlagnahmtem Land stehen. Die Bewohner werden oft Opfer von Betrügern, die unrechtmäßig gebaute Häuser mit falschen Versprechen auf Legalisierung verkaufen.
Der Staat verfolgt eine harte Linie: Für ohne Genehmigung oder ordentliche Grundstückspapiere gebaute Immobilien gibt es keinerlei Ausnahmen. In einigen Teilen Bakus haben die Abrisse bereits begonnen und werden voraussichtlich stark ausgeweitet.
Diese verschärfte Politik wird durch ein Dekret vom Oktober 2023 unterstrichen, das den Einbau von Strom-, Wasser- und Gaszählern in undokumentierten Häusern verbietet — ein klares Zeichen, dass die Behörden illegale Bauten konsequent bekämpfen wollen. Offiziell gibt es in Baku über 500.000 Häuser ohne Dokumente, tatsächlich dürfte die Zahl aber deutlich höher sein, da manche Zähler mehrere Haushalte versorgen.
Das chaotische Bauen belastet auch Bakus Infrastruktur massiv. Abwasser- und Versorgungsnetze, ausgelegt für eine viel geringere Bevölkerungsdichte, sind überlastet. Das führt im Herbst und Winter immer wieder zu Ausfällen und Überschwemmungen.
Rustamov weist auf einen Anstieg illegaler Bauten in der Siedlung Bina im Khazar-Bezirk hin, wo Betrüger neu gebaute, undokumentierte Häuser an ahnungslose Käufer verkaufen. Der Staat greift bereits ein, das Schicksal solcher Immobilien ist “praktisch besiegelt”.
Derzeit können sich Eigentümer von legal gebauten und dokumentierten Häusern sicher fühlen. Für Hunderttausende Einwohner Bakus in illegalen Unterkünften wächst die Abrissgefahr jedoch rapide.
