In den letzten Jahren wird in Aserbaidschan intensiv über die Qualität der Hochschulbildung, ihre Anpassung an internationale Standards und die Ausbildung von Fachkräften für den modernen Arbeitsmarkt diskutiert.
Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die Dauer der Masterprogramme verkürzt oder verlängert werden soll. Diese Entscheidung beeinflusst nicht nur die Studiendauer, sondern auch die Tiefe der Ausbildung, den Praxisbezug und das wissenschaftliche Niveau der zukünftigen Absolventen.
Der Bildungsexperte Kamran Asadov erklärte seine Sicht auf die möglichen Folgen einer solchen Reform. „Artikel 19 des Bildungsgesetzes legt klar fest, dass die zweite Stufe der Hochschulbildung der Vermittlung wissenschaftlicher und angewandter Kenntnisse dienen soll. Daher könnte eine Verkürzung auf ein Jahr nur für berufsorientierte Programme wie Betriebswirtschaft oder Rechtswissenschaft sinnvoll sein.“
„Für forschungsorientierte Programme hingegen sollte das zweijährige Modell beibehalten werden. Internationale Erfahrungen zeigen verschiedene Ansätze: In Großbritannien und Australien ermöglichen einjährige Master einen schnellen Einstieg in den Arbeitsmarkt, während in Deutschland und Finnland zweijährige Programme als effektiver für wissenschaftliche Vertiefung und Doktoratsvorbereitung gelten. Für Aserbaidschan wäre eine parallele Anwendung beider Modelle optimal: praxisbezogene Master mit 1–1,5 Jahren und forschungsorientierte mit zwei Jahren“, betonte Asadov.
Er hob außerdem die strategischen Initiativen des Bildungs- und Wissenschaftsministeriums hervor: kreditbasierte Studienplanung, Integration der Universitäten in Qualitätssicherungssysteme und internationale Bewertungsmechanismen. Laut dem Bologna-Prozess-Bericht 2024 gehört Aserbaidschan zu den Ländern mit „steigendem Konformitätsniveau“, was die Flexibilität und Reformbereitschaft des Systems zeigt.
„Die Universitäten müssen in diesem Prozess mehr Verantwortung übernehmen“, schloss Asadov. „Viele Lehrpläne enthalten noch Kurse aus der Sowjetzeit. Manche Fachrichtungen weisen offiziell 240 ECTS aus, tatsächlich werden jedoch nur etwa 200 erreicht. Das zeigt ineffiziente Inhalte und schwache Planung. Hochschulen müssen auf ein kompetenzbasiertes Modell umstellen, bei dem jeder Kredit ein echtes Lernergebnis widerspiegelt. Andernfalls führt eine Verkürzung der Studiendauer unweigerlich zu Qualitätsverlust.“
Quelle: Baku.ws
