In Aserbaidschan arbeiten Ärztinnen erfolgreich in vielen Bereichen — Pädiatrie, Innere Medizin und sogar Chirurgie — ihre Namen sind bekannt. Doch in einem Fachgebiet sind weibliche Medizinerinnen nahezu nicht vorhanden: der Andrologie.
Interessanterweise gibt es im Land zahlreiche männliche Gynäkologen, aber praktisch keine Androloginnen. Wie kann es sein, dass Männer in der Gynäkologie zu gefragten Experten zählen, während Frauen in der Andrologie so selten sind?
Andrologie wird nicht als eigenständige Fachrichtung gelehrt; sie wird meist nach einer urologischen oder chirurgischen Ausbildung gewählt — Bereiche, die hier noch immer als „Männerberufe“ gelten.
Ein Androloge behandelt männliche sexuelle Störungen (vorzeitiger Samenerguss, Infektionen, Erektionsprobleme usw.) und intime Erkrankungen; häufig arbeiten Andrologen auch als Urologen. Der Urologe hat jedoch ein breiteres Aufgabenfeld und behandelt beide Geschlechter.
Nach intensiver Recherche fand die Redaktion von Bizim.media in Aserbaidschan gerade einmal zwei urologisch-andrologisch tätige Ärztinnen. Nach eigener Aussage hätten sie heute kaum Patienten, wenn sie ausschließlich Andrologie praktizierten.
Der Grund: Männer gehen nur ungern zu einer Andrologin. Viele schämen sich, intime Probleme einer Ärztin anzuvertrauen — besonders bei intimen Untersuchungen fühlen sich Patienten mit einem männlichen Arzt oft wohler. Deshalb fällt es Androloginnen schwer, das Vertrauen der Patienten zu gewinnen.
Und das Phänomen ist nicht nur lokal: Selbst in Europa, Japan oder Südkorea, trotz hohem Entwicklungsstand, sind Androloginnen rar — auch dort zählt für viele Patienten das Geschlecht des Arztes stärker als dessen fachliche Kompetenz.
Medizin und Stereotype: Warum gibt es in Aserbaidschan kaum Androloginnen?
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