Sexuelle Inhalte, Gewaltszenen und teils explizite Bilder — manchmal auch mit Minderjährigen — sind in sozialen Medien immer häufiger. Kinder in Aserbaidschan werden so mit schädlichem Material konfrontiert, das sie weder verstehen noch sich davor schützen können. Viele Eltern meiden Sexualthemen aus Scham, während in Ländern wie den USA, Schweden, Finnland, Deutschland, Kanada, den Niederlanden und Frankreich Sexualerziehung seit Langem Teil des Lehrplans ist.
Psychologin Aydan Mamedova sagte gegenüber Lent.az, dass Opfer sexuellen Missbrauchs in der Kindheit oft erst Jahre später, im Erwachsenenalter, realisieren, was geschehen ist. Kinder verstehen sexuelle Handlungen gegen sie nicht, doch die Erfahrung hinterlässt tiefe seelische Narben: Scham, innere Aggression und Hass. In muslimischen Gesellschaften, vor allem in religiösen Familien, wird Missbrauch häufiger verschwiegen.
Mamedova betont, dass sowohl Mädchen als auch Jungen betroffen sein können. Bei Frauen kann das Trauma zu Feindseligkeit gegenüber Männern führen; bei manchen Männern zu gleichgeschlechtlicher Anziehung oder im Gegenteil zu Ablehnung. „Die Reaktion auf Trauma ist individuell, aber immer zerstörerisch“, sagte sie. Ihrer Ansicht nach sollte Sexualerziehung bereits in der ersten Klasse beginnen, wobei Eltern gleichgeschlechtlichen Kindern den Körperaufbau, persönliche Grenzen und die Unzulässigkeit unerwünschter Berührungen beibringen sollten. Die meisten Missbrauchsfälle geschehen nicht durch Fremde, sondern im Umfeld von Verwandten oder Bekannten. Kinder müssten daher lernen, zu schreien, sich zu wehren und Vorfälle den Eltern zu melden.
Sie kritisierte zudem Lücken im Biologieunterricht, bei dem das Thema Geschlechtsorgane ausgelassen oder getrennt nach Jungen und Mädchen unterrichtet wird. Jugendliche sollten ihren Körperbau und seine Funktionen verstehen, um ein gesundes Selbstbild zu entwickeln. Wenn Eltern Fragen ausweichen, suchen Kinder oft in unsicheren Quellen — meist im Internet — nach Antworten.
