Russland scheint sich auf den Teststart seines nuklear angetriebenen Marschflugkörpers Burewestnik (NATO-Bezeichnung: SSC-X-9 Skyfall) vorzubereiten, wie Satellitenbilder zeigen, die von US-Forschern analysiert wurden. Auch eine von Reuters zitierte westliche Sicherheitsquelle bestätigt dies. Der Zeitpunkt fällt mit dem für diesen Freitag geplanten Treffen zwischen Präsident Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump zusammen, bei dem über die Ukraine gesprochen werden soll.
Anzeichen für Testvorbereitungen
Jeffrey Lewis vom Middlebury Institute of International Studies und Decker Eveleth vom Thinktank CNA untersuchten unabhängig voneinander Satellitenaufnahmen von Planet Labs über dem Testgelände Pankovo auf dem Archipel Nowaja Semlja. Sie stellten verstärkte Aktivitäten fest: große Materiallieferungen, erhöhtes Personal- und Geräteaufkommen sowie die Anwesenheit von Flugzeugen und Schiffen, die mit früheren Burewestnik-Tests in Verbindung stehen.
Seit Mitte Juli befinden sich zwei spezialisierte Datensammelflugzeuge auf dem Luftwaffenstützpunkt Rogachevo – ein Szenario, das aus früheren Testphasen bekannt ist. Eine westliche Sicherheitsquelle bestätigte, dass Vorbereitungen für einen Start wahrscheinlich im Gange sind, und Analysten halten einen Test noch in dieser Woche für möglich.
Strategischer Kontext und Fähigkeiten
Putin bezeichnete den Burewestnik als „unverwundbar“ gegenüber allen bestehenden und zukünftigen Raketenabwehrsystemen. Dank seines nuklearen Antriebssystems verfügt er über eine nahezu unbegrenzte Reichweite – ein Novum in der modernen Waffentechnologie. Anders als herkömmliche, chemisch betriebene Marschflugkörper nutzt der Burewestnik einen kleinen Kernreaktor, was lange Flugzeiten und ungewöhnliche Anflugrouten ermöglicht.
Der chinesische Militäranalyst Song Zhongping erklärte in Staatsmedien, dass eine erfolgreiche Stationierung das globale nukleare Gleichgewicht verändern könnte. Er betonte, dass zwar nukleare Sprengköpfe auf ballistischen und konventionell betriebenen Marschflugkörpern üblich sind, Russland jedoch Pionierarbeit bei nuklear betriebenen Waffensystemen leistet.
Technische und Strategische Herausforderungen
Die Entwicklung eines nuklearen Antriebssystems für Raketen stellt erhebliche technische Herausforderungen dar, insbesondere in Bezug auf Brennstoffhandhabung und Miniaturisierung. Song vermutet, dass die erneuten Tests auf die Lösung dieser Probleme abzielen.
Laut russischen Militärquellen absolvierte die Rakete im Oktober 2023 erfolgreiche staatliche Erprobungen. Sie fliegt in niedriger Höhe, kann Radarerfassung vermeiden und ist gegen alle bekannten Luft- und Raketenabwehrsysteme immun.
Offizielles Schweigen
Der Kreml hat sich zu den aktuellen Testvorbereitungen nicht geäußert, und staatliche russische Medien haben den Reuters-Bericht nicht bestätigt. Westliche Analysten sehen den Zeitpunkt – unmittelbar vor einem hochrangigen US–Russland-Gipfel – möglicherweise als gezielte Maßnahme zur Stärkung von Moskaus Verhandlungsposition.
