In einer kürzlich ausgestrahlten YouTube-Sendung von Киселёв warnte der aserbaidschanische Politikanalyst Eldar Namazov, dass die Äußerungen des russischen Staatssenders-Moderators Wladimir Solowjow über eine mögliche “gemeinsame spezielle Militäroperation” mit Iran — und seine Verwendung des Begriffs “weicher Unterbauch” für den Südkaukasus und Zentralasien — eskalierendes Denken widerspiegeln, das in imperialen Narrativen verwurzelt ist.
Namazov führte den Ausdruck auf das 19. Jahrhundert und das “Great Game” zurück und stellte fest, dass er in den späten Sowjet- und postsowjetischen Medien wieder aufgegriffen wurde. Er argumentierte, dass eine solche Rhetorik eine hierarchische Sicht auf die Nachbarstaaten widerspiegelt und heute als politische Signalgebung dient, nicht bloß als Prahlerei. Laut Namazov fließen besonders wirkungsstarke Aussagen im russischen Fernsehen typischerweise von der Präsidialadministration über ranghohe Medienmanager — wobei er Alexej Gromows Rolle und Netzchefs wie Oleg Dobrodejew nannte — bevor sie Moderatoren wie Solowjow erreichen. Diese Kette unterstreiche, dass die Botschaft abgesegnet und nicht improvisiert sei.
Namazov warnte, dass jeder russische Versuch, Macht nach Süden zu projizieren, erheblichen Beschränkungen unterliegen würde: die modernisierte, kampferprobte aserbaidschanische Armee, das Verteidigungsabkommen mit der Türkei im Rahmen der Schuscha-Erklärung und die Nähe der dritten türkischen Feldarmee zum Kaukasus. Ein Fehltritt könne auf Russlands eigenen Nordkaukasus zurückfallen und unter der großen muslimischen und turkstämmigen Bevölkerung des Landes Widerhall finden.
Zur Spekulation über Pekings Rolle zeigte sich Namazov skeptisch, dass China Instabilität fördert. Er argumentierte, Pekings Priorität sei der Mittlere Korridor nach Europa — eine Route, die größtenteils durch turkstämmige Staaten verläuft — und jede Störung liege nicht im wirtschaftlichen Interesse Chinas.
Namazov wandte sich auch gegen Narrative, die die Traditionen der turkstämmigen Staaten schmälern, und verwies auf sprachliche und historische Kontinuität (von Bräuchen und Handel bis zur politischen Organisation), die lange vor der Sowjetzeit besteht.
Die bilateralen Optiken, so merkte er an, bleiben frostig: Trotz der Anwesenheit beider Staatschefs bei jüngsten Veranstaltungen in China gab es keinen öffentlich bekannten Händedruck zwischen Putin und Aliyev. Namazov sah dies im Einklang mit Bakus fester Haltung zu Souveränität, Rechenschaftspflicht bei Vorfällen mit Aserbaidschanern in Russland und nicht verhandelbaren sicherheitspolitischen “roten Linien”.
Vorläufig betrachtet Namazov die “weicher Unterbauch”-Rhetorik als Druckpolitik und nicht als konkreten Kriegsplan — doch er rief die regionalen Hauptstädte dazu auf, die Sprache ernst zu nehmen und warnte, dass Fehlkalkulationen die Konfliktkarte erweitern — und die Kosten.
