Analyse von Farhad Mammadov (@mneniyefm)
Die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten – insbesondere Aserbaidschans Rolle in Syrien und auf dem Kairoer Friedensgipfel zu Gaza – haben die Debatte neu entfacht, wie weit Baku seine regionale Präsenz ausbauen sollte.
Der Nahe Osten bleibt ein Schachbrett wechselnder Allianzen und Konflikte – von Stellvertreterkriegen über ideologische Spaltungen bis hin zu zerfallenen Staaten, die von äußeren Mächten neu geordnet werden.
In diesem komplexen Umfeld verfolgt Aserbaidschan ein klares Ziel: eine direkte Konfrontation zwischen seinem Verbündeten Türkei und seinem strategischen Partner Israel zu verhindern.
Zwischen Diplomatie und Einsatz
Präsident Ilham Alijew hat wiederholt betont, dass Baku den Dialog bevorzugt und Aserbaidschan als Vermittlungsplattform zwischen regionalen Akteuren dienen könne.
Doch die jüngsten Spannungen erhöhen das Risiko: Nach Jahren parallelen Engagements in Syrien ist ein direkter militärischer Kontakt zwischen türkischen und israelischen Kräften keine theoretische Gefahr mehr.
Während über eine multinationale Friedensmission in Gaza diskutiert wird, berichten internationale Medien, dass Türkei und Aserbaidschan – neben Indonesien und Bangladesch – zu den möglichen Teilnehmern zählen könnten.
Eine Heikle Gleichung
Für Baku entsteht daraus ein komplexes strategisches Dilemma. Israel lehnt die Präsenz türkischer Truppen in Gaza entschieden ab, selbst im Rahmen eines Friedenseinsatzes. Ein gemeinsames Engagement könnte Aserbaidschan zwischen zwei wichtigen Partnern in die Zange nehmen.
Gleichzeitig wird der sogenannte Trump-Friedensplan weiter geprüft – mit Gesprächen über die Nachkriegsverwaltung Gazas, die Entwaffnung der Hamas und eine mögliche Übergabe der Sicherheit an lokale Polizeikräfte.
Berechnete Vorsicht
Für eine Entscheidung würde Baku klare US-Garantien, transparente Einsatzbedingungen und klar definierte Verantwortlichkeiten verlangen.
Sich herauszuhalten scheint sicherer, doch völlige Passivität könnte Aserbaidschans regionalen Einfluss schwächen, falls sich die Spannungen zwischen Türkei und Israel verschärfen.
In diesem Zusammenhang steht Bakus Haltung nahe an der Washingtons, was die zunehmende Bedeutung der US-aserbaidschanischen Zusammenarbeit unterstreicht – bekräftigt durch den jüngsten Besuch von Admiral Brad Cooper in Baku.
Ein Moment Strategischer Geduld
Die Welt ist in eine Phase ohne feste Regeln eingetreten, in der Verhandlungen zwischen Akteuren jedes Ergebnis bestimmen. Für Aserbaidschan geht es nicht nur darum, ob es an einer Mission in Gaza teilnimmt, sondern darum, Diplomatie und Abschreckung auszubalancieren.
Eine endgültige Antwort gibt es vorerst nicht. Die Gespräche dauern an, und der Rahmen für den Frieden – wie auch die Region selbst – bleibt im Aufbau.
