Das staatliche aserbaidschanische Ölunternehmen SOCAR hat eine Vereinbarung zum Erwerb von 99,82 % an Italiana Petroli (IP) von API Holding unterzeichnet und damit eine der größten Energieinvestitionen des Jahres in Europa besiegelt.
Der 2,5-Milliarden-€-Deal soll im ersten Quartal 2026 abgeschlossen werden, vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen und üblicher Bedingungen. Der Schritt stellt SOCARs größten Vorstoß im Downstream-Segment der Europäischen Union dar. Italiana Petroli zählt zu den größten integrierten Kraftstoff- und Raffinerieplattformen Italiens, mit mehr als 4.500 Tankstellen landesweit, zwei Raffinerien mit einer jährlichen Gesamtkapazität von etwa 10 Millionen Tonnen (~200.000 Barrel pro Tag) sowie umfangreichen Aktivitäten in den Bereichen Bitumen, Flugkraftstoff, Schmierstoffe und Logistik.
Eine Marktnotiz des Rohstoffhändlers Giacomo Prandelli beschrieb die starken Finanzkennzahlen des Unternehmens: ein bereinigter Kerngewinn von 500 Mio. € im Jahr 2024 und eine Netto-Cash-Position von 408 Mio. €. SOCAR überbot globale Wettbewerber wie Gunvor Group und Bin Butti Holding L.L.C. in einem wettbewerbsintensiven M&A-Prozess, der bis Ende 2024 zurückreichte.
„Diese Übernahme ist ein Meilenstein in der Diversifizierungsstrategie von SOCAR“, sagte SOCAR-Präsident Rovshan Najaf bei der Unterzeichnungszeremonie. „Sie zeigt unser langfristiges Engagement für den Aufbau eines wettbewerbsfähigen, innovativen und sozial verantwortungsvollen Unternehmens, während wir gleichzeitig zur Energiesicherheit Europas beitragen und die Beziehungen zwischen Aserbaidschan und Italien stärken.“
Strategische Bedeutung
Rom hat seine “goldene Macht”-Regeln angewendet, um das Geschäft zu prüfen, und damit Bedenken hinsichtlich der Kraftstoffversorgung und Arbeitsplätze hervorgehoben. SOCAR hat zugesagt, die Belegschaft von Italiana Petroli zu erhalten und deren Umweltstandards zu wahren, während eng mit dem italienischen Managementteam zusammengearbeitet wird, um die Marktposition des Unternehmens zu sichern.
Vorsitzender Ugo Brachetti Peretti, Vertreter von API Holding, erklärte, der Verkauf sei das Ergebnis eines sorgfältigen Auswahlprozesses:
„Nach mehr als 90 Jahren bleibt Italiana Petroli ein Maßstab im italienischen Kraftstoffsektor. Wir sind stolz darauf, neuen Eigentümern ein Erbe zu übergeben, das auf beruflicher Exzellenz, Innovation und Resilienz aufgebaut ist.“
Umbruch im Europäischen Downstream-Sektor
Der SOCAR-API-Deal erfolgt inmitten einer Welle von Restrukturierungen im europäischen Downstream-Sektor: Vitol hat kürzlich Saras übernommen, während Trafigura in ISAB expandierte. SOCAR betreibt bereits die 6,3-Mrd.-$-STAR-Raffinerie in der Türkei (214.000 Barrel pro Tag Kapazität), und mit der Aufnahme von IP in Italien wird das Unternehmen zu einer zentralen Säule der europäischen Raffinerie- und Tankstellenlandschaft.
Seit 2020 sind über 50 Mrd. m³ aserbaidschanisches Gas über die TAP-Pipeline nach Europa geflossen. Die Hinzufügung von Raffinerie- und Einzelhandelsaktivitäten in Italien stärkt SOCARs Rolle als langfristiger Garant der EU-Energiesicherheit – insbesondere in Zeiten erhöhter geopolitischer Unsicherheit.
Der Abschluss wird Anfang 2026 erwartet – ein Zeitplan, der, falls eingehalten, SOCAR fest an die Spitze des italienischen Energiemarktes bringen würde, noch vor der nächsten Spitzennachfrage im Sommer.
