Die Medizinische Universität Aserbaidschans (AMU) steht vor einem ernsthaften akademischen Abschwung: 956 Studierende fielen durch ihre Prüfungen, und die Zahl der Präsidentenstipendiaten ist laut Bildungsexperte Kamran Asadov auf ein Sechstel gesunken.
Asadov sagte gegenüber Qaynarinfo, diese Zahlen seien kein isoliertes Versagen, sondern ein Symptom systemischer Schwächen im Hochschulsektor.
„Neunhundertsechsundfünfzig durchgefallene Studierende sind nicht nur Zahlen – sie spiegeln tiefgreifende strukturelle Defizite im Bildungssystem wider“, sagte er.
Das Problem liege nicht bei den Studierenden, sondern in der Unterrichtsqualität, der Motivation und den internen Kontrollmechanismen.
„Wenn nur 22 von 146 Präsidentenstipendiaten weiterhin gute Ergebnisse erzielen, weist das auf Probleme im Bildungssystem selbst hin“, fügte Asadov hinzu.
Obwohl die AMU eine der anspruchsvollsten Hochschulen des Landes bleibt, könne ein so weit verbreitetes Scheitern laut dem Experten nicht allein mit der Schwierigkeit des Curriculums erklärt werden.
„Die Benotung basiert oft eher auf Belastbarkeit als auf Förderung der Entwicklung“, erklärte er und verwies auf das Fehlen konstruktiver Rückmeldungen und Unterstützungsmechanismen, die in Artikel 13.2.7 des Bildungsgesetzes vorgesehen sind.
Trotz hoher Aufnahmeprüfungswerte — AMU-Studierende erzielten 2024 im Durchschnitt über 650 Punkte — werde ihr Potenzial laut Asadov „durch übermäßige theoretische Arbeitsbelastung und Stress unterdrückt“.
Er verglich die Situation mit internationalen Modellen: den formativen Bewertungssystemen Finnlands und Deutschlands, dem akademischen Beratungssystem US-amerikanischer Universitäten und der in Großbritannien weit verbreiteten Methode des Problemorientierten Lernens (PBL).
„In Aserbaidschan werden Prüfungen häufig von einem Lernprozess zu einem Auswahlinstrument“, sagte Asadov und fügte hinzu, dass auch das psychologische Klima an den Universitäten die Leistung beeinflusse. Viele Studierende beschrieben den Unterricht als demotivierend und das Verhältnis zu Dozenten als übermäßig disziplinarisch.
Asadov betonte, dass gemäß Artikel 18 des Hochschulbildungsgesetzes akademische Umgebungen auf Freiheit, gegenseitigem Respekt und Transparenz beruhen müssen – Prinzipien, die seiner Meinung nach nicht immer eingehalten werden.
„Das Grundproblem liegt in veralteten Lehrmethoden“, schloss er. „Wenn die Medizinische Universität Aserbaidschans moderne internationale Standards wie das britische PBL-Modell übernimmt, das auf kritischem Denken und Problemlösung basiert, könnte sie die Durchfallquote deutlich senken und die Gesamtqualität der medizinischen Ausbildung verbessern.“
