Die Unterzeichnung der Friedenserklärung am 8. August in Washington zwischen den Führern von Aserbaidschan und Armenien, die ein Abkommen über die sogenannte „Trump-Route“ beinhaltete, die Aserbaidschan mit Nachitschewan verbindet, hätte erwartet werden können, die Spannungen in Teheran zu entschärfen. Doch anstatt seine Rhetorik neu zu kalibrieren, hat der Iran seine anti-aserbaidschanische Kampagne — in der Politik, in den Medien und unter Experten — noch verstärkt.
Das Paradoxon ist auffällig: Es war Armenien selbst, das die Übergabe des Transitkorridors an ein amerikanisches Unternehmen für 99 Jahre initiierte und es sogar als „Der Trump-Weg für internationalen Frieden und Wohlstand“ zu Ehren von Präsident Donald Trump benannte. Diese Entscheidung in Jerewan, nicht in Baku, löste die alarmistische Linie aus, die derzeit in Teheran kursiert: „Amerika ist unser Nachbar geworden.“
Aserbaidschans Klarstellung
Als das Thema erstmals im Juli aufkam, sprach Präsident Ilham Aliyev es direkt im Global Media Forum in Schuscha an:
„Was die Behauptung betrifft, dass ein amerikanisches Unternehmen den Zangezur-Korridor pachten wird, sollte diese Frage an die armenische Führung gerichtet werden. Auf unserem Gebiet kann es keine Betreiber, Händler oder Pächter geben.“
Aliyev betonte, dass der aserbaidschanische Abschnitt des Korridors vollständig unter nationaler Souveränität bleiben wird, ohne ausländische Präsenz. Die amerikanischen Betreiber, die den Iran betreffen, werden nur im armenischen Abschnitt der Route tätig sein.
Warum der Iran Baku ins Visier nimmt
Trotz dieser Klarstellungen präsentieren bestimmte Kreise im Iran das Projekt weiterhin als aserbaidschanische Manöver und ignorieren die zentrale Rolle Armeniens bei der Einbeziehung amerikanischer Akteure in die Transitgleichung des Südkaukasus. Analysten stellen fest, dass Teheran weniger an faktischer Genauigkeit interessiert zu sein scheint als daran, eine Erzählung aufrechtzuerhalten, die Aserbaidschan als destabilisierende Kraft darstellt.
Diese Haltung spiegelt die breiteren Ängste Irans wider: die Erweiterung der strategischen Präsenz der USA entlang seiner Nordgrenze, die Vertiefung der Beziehungen zwischen Aserbaidschan und den USA sowie die mögliche Schwächung des Einflusses Irans in Armenien. Für Teheran ist die Optik eines amerikanisch kontrollierten Korridors — auch wenn er auf armenisches Territorium beschränkt ist — ausreichend alarmierend, um eine Informationskampagne zu befeuern.
Regionale Implikationen
Die iranische Erzählung unterstreicht das geopolitische Gewicht der „Trump-Route“. Für Aserbaidschan stellt sie eine lang erwartete direkte Landverbindung nach Nachitschewan dar. Für Armenien ist sie sowohl eine wirtschaftliche Gelegenheit als auch ein diplomatisches Risiko. Für die USA bietet sie eine Möglichkeit, ihren Einfluss im Südkaukasus zu festigen. Und für den Iran wird sie als Eindringen wahrgenommen — ein Eindringen, dem es politisch bequem ist, Baku die Schuld zuzuschreiben, auch wenn Jerewan der wahre Architekt ist.
