Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan nutzte seine Rede vor der UN-Generalversammlung, um die Krisen in Gaza und Nordzypern hervorzuheben und beide als Themen darzustellen, die über die Türkei hinaus die gesamte türkische Welt betreffen.
In der Sendung „News of Turan“ von Novosti Kavkaza stellte der Kommentator Serikzhan Mambetalin fest, dass Erdoğan das Thema Nordzypern in New York bewusst angesprochen habe, mit dem Hinweis, dass die internationale Gemeinschaft die langjährige Teilung der Insel nicht länger ignorieren könne. Ankara betrachte Zypern, so Mambetalin, nicht nur als einen griechisch-türkischen Streit, sondern als eine Frage türkischer Identität, die Jahrhunderte zurückreicht.
Erdoğan betonte außerdem die Solidarität mit den Palästinensern, ein Thema, das in der UN-Generalversammlung breite Resonanz fand. Analysten beschrieben seinen Fokus auf Gaza sowohl als außenpolitisches Signal als auch als Botschaft an die türkische Innenpolitik, für die die Palästina-Frage weiterhin hochsensibel ist.
Die Sendung deutete an, dass die Symbolik von Erdoğan neben US-Präsident Donald Trump und arabischen Führern zu sitzen, Washingtons stillschweigende Anerkennung der Rolle Ankaras im Nahen Osten widerspiegele.
Mambetalin argumentierte jedoch, dass ein paralleles Treffen zwischen Trump und den Führern der türkischen Staaten ebenso bedeutsam wäre, da es Washington ermögliche, mit der Region als Block statt stückweise zu interagieren.
Verteidigung
Erdoğans Team stand zudem im Verteidigungsbereich unter neuer Beobachtung. Außenminister Hakan Fidan räumte ein, dass US-Exportbeschränkungen für Flugzeugtriebwerke weiterhin ein Hindernis für das türkische Kampfjetprojekt der fünften Generation KAAN darstellen, trotz früherer Testflüge.
Die Bemerkungen wurden als Zeichen von Spannungen innerhalb der türkischen Führung über die Zukunft der heimischen Verteidigungsprojekte interpretiert, möglicherweise auch als Teil von Machtkämpfen unter Figuren, die als Anwärter auf die Zeit nach Erdoğan gelten.
Die Sendung verband Fidans Aussagen mit der aufkommenden Rivalität zwischen ihm und Selçuk Bayraktar, dem Unternehmer der Rüstungsindustrie und Schwiegersohn Erdoğans, dessen Drohnen und neue Flugzeuge zum Symbol der türkischen Ambitionen geworden sind. Während Bayraktars Projekte breite Unterstützung genießen, gilt Fidan als Insider des Systems, was Spekulationen über die Nachfolge innerhalb der Regierungselite in Ankara anheizt.
Mambetalin schloss, dass Erdoğans Auftritt bei der UNGA globale Themen mit innenpolitischen Kalkülen verband: die Führungsrolle der Türkei in der muslimischen Welt zu untermauern, auf der Unverzichtbarkeit Zyperns zu bestehen und anzudeuten, dass die Frage der politischen Nachfolge bereits die Sprache der türkischen Diplomatie prägt.
Quelle: Novosti Kavkaza (auf Russisch). Vollständiges Video hier
